Campino über letztes Hosen-Album: „Über unser Lebensglück entscheiden wir“

Kultur

KURIER: Ihr neues Album „Trink aus! Wir müssen gehen“ steckt voll Energie. Warum sagen Sie trotzdem, dass es das letzte ist?

Campino: Es ist ein Bauchgefühl. Wir werden ein Leben lang Freunde und eine Gang bleiben. Aber weil eben die Band für uns so wertvoll ist, wollen wir sie mit Würde zu Ende bringen. Die Leute sollen sagen, wir werden sie vermissen, und nicht, die letzten Jahre von denen hätten wir nicht mehr gebraucht. Es geht um Fragen wie: Sind wir noch deckungsgleich mit unseren Inhalten? Können wir noch 100 % liefern, wofür wir stehen, nämlich wilde Abende und die totale Verausgabung? Gibt es Dinge in unserem Leben, die dem inzwischen im Wege stehen?

Was sind das für Dinge?

Heute kann ich noch auf die Bühne gehen und wie ein Derwisch agieren. Aber wenn ich nach Hause komme, bin ich viel mehr geschafft als früher. Es geht auch darum, wie viel Zeit man noch in die Musik stecken will oder ob es inzwischen andere Prioritäten gibt. Wir möchten auch wieder mehr Zeit mit Freunden und Familie verbringen. Wir haben mal gesungen „Komm mit uns verschwende deine Zeit“ und wir haben das damals auch gelebt. Heute freue ich mich aber nicht mehr darauf, eine Party zu besuchen, bei der der Kronleuchter von der Decke fällt. Ich trinke zwar noch hin und wieder, aber ich kann kein Sauflied mehr schreiben. Damit würde ich nur aufwärmen, was zu einem anderen Zeitpunkt in unseren Leben eine Relevanz hatte.

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Die Tour führt Sie am 23. 6. 2027 auch nach Graz. Schluss ist dann am 10. 7. 27 in Düsseldorf. Ist das dann wirklich das letzte Konzert der Toten Hosen?

Das wissen wir noch nicht. Es gab ja den Traum einer Unplugged-Tour, den wir wegen Corona nicht umsetzen konnten. Das würden wir gerne nachholen. Auch wenn uns noch einmal etwas unter den Nägeln brennen sollte oder wir einen Kommentar zu einem gesellschaftlichen Diskurs machen wollten, würden wir das tun. Oder wenn uns ein Theaterregisseur fragen würde, ob wir Musik für sein Stück machen könnten, würden wir vielleicht auch darüber nachdenken. Aber ein klassisches Hosen-Album mit eigenen Liedern wird es nicht mehr geben.

In den Songs „Die Show muss weitergehen“ und „Wir waren nie weg“ sagen Sie trotz dieser Ankündigung, dass es weiter geht …

Daran hat uns der Widerspruch gefallen. Aber es ist kein wirklicher Widerspruch. Es gehörte immer auch zu unserem Charakter, Zuversicht auszustrahlen. Dass man den Tag froh beginnen kann mit der Hoffnung, dass er gut wird.

Aber gelingt Ihnen das in Zeiten wie diesen?

Auf jeden Fall. Dieser selbst ernannte König aus den USA raubt uns viel Zeit. Wie oft sieht man sich Nachrichten von seinem Irrsinn an? Und wenn man zur Tankstelle fährt, erlebt man die Konsequenz von diesem Wahnsinn. Aber ich gestehe ihm nicht zu, dass er mehr Millimeter meines Lebens in Anspruch nimmt als nötig. Über unser Lebensglück mit Freunden und den uns lieben Menschen entscheiden immer noch wir. Wir können uns aus Social Media und den Nachrichten rausziehen, wenn wir das Gefühl haben, es wird zu viel und …read more

Source:: Kurier.at – Kultur

      

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