Finanzminister Marterbauer: „Wir müssen uns nach der Decke strecken“

Wirtschaft

Im Rahmen des Finanzpodcasts „Ziemlich Gut Veranlagt“ von KURIER und kronehit spricht Finanzminister Markus Marterbauer über Inflation, Budgetlöcher, neuen Steuern, Vorsorge und Sparen.

KURIER: Mit der Inflation war Österreich auf einem guten Weg, aber dann kam der Öl-Preis-Schock. Wie können wir von Energieimporten unabhängiger werden?

Markus Marterbauer: Wir waren tatsächlich im Jänner und Februar bei einer Inflationsrate von oder knapp über zwei Prozent. Im März, April auch im Mai, sind wir über drei Prozent. Und der Unterschied sind rein die Treibstoffpreise, also Trumpflation durch den Krieg gegen den Iran. Aber das zeigt uns, dass die entscheidende Lehre aus diesen Erfahrungen sein muss, dass wir von den fossilen Energieträgern loskommen müssen. Das ist nicht ganz einfach, aber das Entscheidende ist, aus den erneuerbaren Energiequellen mehr Energie zu bekommen.

Wie wird es mit der Inflation in den nächsten Monaten weitergehen?

Das ist zum Großteil Trumpflation und in dem Sinne ist es schwer zu prognostizieren. Wir wissen nicht, was im Iran passiert. Ich fürchte, der Herr Trump weiß auch nicht, wie es weitergehen soll. Das ist noch beunruhigender. Das, was wir in Österreich tun können, ist der kleinere Teil. Den aber macht die Bundesregierung. Wir versuchen, sehr gezielt und strategisch in Preise einzugreifen. Wir haben den Mietenstopp gemacht. Wir greifen in die Strompreise ein. Und wir haben ab 1. Juli die Senkung der Mehrwertsteuer. Das IHS sagt, dass all das die österreichische Inflationsrate ungefähr um einen Dreiviertelprozentpunkt senken wird. Das ist das, was wir tun können.

  Investor Michael Tojner: "Es tut mir furchtbar leid"

Die Steuersenkung auf gewisse Lebensmittel wurde diese Woche im Nationalrat beschlossen und kostet 400 Millionen Euro. Ist das wirklich das Geld wert, dass pro Haushalt dann am Ende nur rund 100 Euro im Jahr rausschauen werden?

Wenn es nur diese einzelne Maßnahme wäre, würde ich auch ein bisschen skeptisch sein. Aber es ist eben die Kombination mit den Strompreissenkungen, mit dem Mietenstopp, natürlich auch der Spritpreisbremse. Und das zahlt sich insgesamt schon aus. Das sind dann einige Hundert, fast Tausend Euro pro Haushalt. Und ich gebe zu, man könnte sich auch mehr wünschen, nur wir müssen uns nach der Decke strecken. Ich habe das Geld im Budget nicht und deshalb ist die Steuersenkung bei den Grundnahrungsmitteln sehr konzentriert auf Reis, Mehl, Brot, Gemüse, Obst und so weiter, weil sonst wäre es zu teuer geworden.

Wie oft kaufen Sie zum Beispiel Quitten im Jahr?

Selten, aber Äpfel oder Birnen sehr oft.

Sie entlasten damit auch Besserverdiener. Sinnvoll?

Wir haben Grundnahrungsmittel ausgewählt, die zwar von allen konsumiert werden, aber in Relation zum Einkommen, gerade im unteren Einkommensbereich, eine große Rolle spielen. Das Gleiche gilt für die Mieten und Haushaltsenergie. Und in dem Sinne ist es dann doch wieder sehr gezielt.

Wenn man gezielt den einkommensschwächsten Menschen dieses Geld in die Hand drücken würde, dann hilft man doch diesen tendenziell mehr.

Grundsätzlich ja, da müsste man aber genau wissen, wie hoch das Einkommen der Haushalte ist. Und da beginnt es schon schwierig zu werden. Wir kennen die Individualeinkommen, die Haushaltseinkommen aber schlecht. Und die wären eigentlich relevant, um so gezielte Hilfen zu geben. Deshalb bin ich sehr skeptisch, weil es dann rasch …read more

Source:: Kurier.at – Wirtschaft

      

(Visited 3 times, 3 visits today)

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht.