Kürzungen in der Kultur: Das wird ein Aufschrei

Kultur

Sehr geehrtes Kulturamt!

Sie haben zuletzt über die Moderatoren des Song Contests geschrieben. Sind Sie ernsthaft der Meinung, das hat auch nur irgendetwas mit Kultur zu tun? Ich finde, das ist nicht Kunst und gehört weg. Aber das ist ja auch bei anderen Genres der Fall. Daher bin ich der Ansicht, dass man die Kulturförderung ohne weiteres reduzieren kann, und zwar ordentlich. Mein Antrag daher an Sie: Schießen Sie und Ihre Kunsthaberer nicht dagegen, wenn die Kürzungen bekannt werden, sondern akzeptieren Sie die Realität und die echten Interessen der Österreicher.

Mit Grüßen, H. K.

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Sehr geehrter H. K.,

vielen Dank für Ihren Antrag, dessen Einlangen wir amtlich bestätigen (Geschäftszahl 18/2026). Wir sind jedoch der falsche Adressat für dieses Begehr, weil wir der Überzeugung sind, dass Kulturförderung eine Investition in die Zukunft ist und sich nicht nur umwegrentabilitätsmäßig lohnt. Daher werden wir es uns als Kulturamt weiterhin erlauben, in unseren Bulletins Fehlentwicklungen zu verlautbaren. Somit: abgelehnt. Und nur nebenbei: Natürlich hat auch der Song Contest mit Kultur zu tun, und sei es nur als Form von Eskapismus.

Grundsätzlich sind Kunst und Kultur freilich nicht sakrosankt und in Sparzeiten ebenso zur Mäßigung angehalten. Was die Sache allerdings verkompliziert, ist die nötige Planungssicherheit, die, wie man hört, zuletzt nicht gegeben war. Von Seiten des Kulturministeriums wurde stets nur ein Dass kommuniziert (dass heftig gespart werden müsse), aber kein Wie. Es wurde auf Biegen und Brechen gerechnet, allerdings ins Blaue, weil es dazu keinerlei inhaltliche politische Idee gab.

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Erst bei der Budgetrede des Finanzministers am 10. Juni d. J. dürfte nun Klarheit über die Streichungen herrschen. Manche Institutionen mussten jedoch aufgrund der sonst nicht mehr garantierten Verfügbarkeit von Top-Künstlern ins Jahr 2028 hinein und darüber hinaus planen, ohne die geringste Idee bezüglich Realisierbarkeit zu haben.

Zuletzt haben sich die Universitäten lautstark zu Wort gemeldet, als für das neue Dreijahresbudget eine Kürzung von einer Milliarde publik wurde. Wir im Kulturamt vermuten, dass der zu erwartende Aufschrei der Kulturinstitutionen den Uni-Sturm zu einem lauen Lüfterl degradieren wird, obwohl die Budgetrelevanz vergleichsweise gering ist. Der Kulturminister dürfte völlig unterschätzen, was auf ihn zukommt, falls es tatsächlich Kürzungen von 10 bis 15 Prozent gibt. Wenn das Befürchtete eintritt, braucht es bald keine FPÖ-Regierung mehr.

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Source:: Kurier.at – Kultur

      

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