
„Wien, diese Show ist ein wichtiger Moment für uns!“ Shirley Manson, Sängerin der US-Rockband Garbage, macht beim Konzert in der Wiener Arena nach den ersten fünf Songs Pause und muss erst einmal etwas loswerden: „Wir haben noch nie eine eigene Headliner-Show in Wien gespielt. Ich weiß nicht wieso, aber besser spät als nie!“
Feinere Nuancen
Aha, offenbar zählt Manson die Auftritte bei den „Libro Music Days“ Ende der 90er-Jahre zu Festival-Shows. Erstaunlich ist trotzdem, dass sie nicht öfter hier waren: Drummer Butch Vig, der Nirvanas ikonisches Album „Nevermind“ produziert hatte, gründete die Band 1993. Gleich mit dem selbstbetitelten Debüt-Album von 1995 und einem Sound, mit dem sie nach Vigs Aussage „Punk, Funk, Techno und Hip-Hop mischen und als Pop-Song präsentieren“ wollten, weltweit Erfolg. Von Pop ist in der Arena anfangs nichts zu spüren. Garbage legen mit wuchtigem Rock los, mit Songs ihres Albums „Let All That We Imagine Be The Light“, oder den Hits „I Think I’m Paranoid“ und „Stupid Girl“ aus den 90er-Jahren. Die feineren Nuancen, die diese alten Songs in den Studioversionen hatten, gehen in der Lautstärke der hämmernden Gitarren unter. Aber die Energie, die Vig, die Gitarristen Steve Marker und Duke Erikson damit auf die Bühne bringen, ist sofort mitreißend.
Lust auf Blödsinn
Und die Stimme von Manson, der 59-jährigen Schottin, ist immer noch perfekt, ihr Auftreten genauso quirlig wie anno dazumal. Wie ein hungriger Löwe läuft sie auf der Bühne im Kreis, wenn die Gitarristen solieren. Ihre lange blonden Haare fliegen, wenn sie wie ein Derwisch tanzt. Gelegentlich plaudert sie mit dem Publikum, erzählt, dass sie Lust hat, Blödsinn zu reden, und folgert: „Ich weiß nicht, wie meine Band und mein Mann das mit mir aushalten.“
Punktgenau, wenn es im Show-Ablauf wichtig wird und man genug vom wuchtigen Rock hat, drosseln Garbage das Tempo, bringen etwas mehr Nuancen ein. Zum Beispiel mit „It’s All Over But The Crying“, einem Song aus dem Jahr 2005, veröffentlicht bevor sich die Band trennte. Erst 2012 fand das Quartett wieder zusammen, um das Comeback-Album zu veröffentlichen. An die Erfolge der 90er- und frühen 2000er-Jahre konnten sie dann aber nicht mehr anschließen.
Apokalyptisch
Obwohl sie auch da noch tolle Songs lieferten. Ein Highlight aus dieser zweiten Phase ist in der Arena das fiebrige „No Horses“ von 2017, das eine apokalyptische Zukunftsvision beschreibt, und „The Day That I Met God“ vom Vorjahresalbum. Euphorischere Reaktionen aus dem Publikum lösen aber doch die älteren Songs aus. „Boys Wanna Fight“ oder „Cherry Lips (Go Baby Go)“.
Bevor Garbage ihren größten Hit „Only Happy When It Rains“ anstimmen, bedankt sich Manson noch einmal für diesen speziellen Abend. Er zeigte, dass die Band auch heute noch genug Relevanz und Drive für einen spannenden Musik-Abend hat – wenn auch ein paar brillante Songs von damals („Milk“ und „Queer“) gefehlt haben.
Source:: Kurier.at – Kultur



