Wie Europas Super-Jet zum politischen Totalschaden wurde

Politik

Eigentlich hätte es Emmanuel Macrons Demonstration der Stärke werden sollen. Wenn Donald Trump nächste Woche zum G7-Gipfel nach Frankreich kommt, hätte Frankreichs Präsident gern bewiesen, wie stark Europa auch ohne den großen Bruder sein kann – etwa mit dem deutsch-französischen Jetprojekt FCAS (Future Combat Air System). Aus der Taufe gehoben hatte er die Rüstungskooperation immerhin auch wegen Trump: Den Vertrag zu dem Projekt mit bewusst englisch gewähltem Namen unterschrieben Macron und Angela Merkel 2017 – bewusst kurz vor Trumps Amtsantrittsbesuch in Paris.

Nun wird beim US-Präsidenten aber eine Botschaft des Scheiterns ankommen. Der Jet, mit dem bewiesen hätte werden sollen, dass die ewigen Rivalen Deutschland und Frankreich gemeinsame Sachen machen könnten, ist seit Montag Geschichte. Das europäische Gegenstück zum amerikanischen F-35 ist an nationalen Eigeninteressen zerschellt: Der französische Konzern Dassault wollte die Führung über die Entwicklung des Jets samt Begleitdrohnen und einer Gefechts-Cloud haben, das akzeptierten die deutschen Partner von Airbus aber nicht – sie wollten Augenhöhe.

Schiefe Zweckehe

Für viele Kommentatoren ist das der erwartbare Schlusspunkt einer Zweckehe, die mehr von politischem als wirtschaftlichem Willen getragen war. Schon seit Beginn der Kooperation beanspruchten die Franzosen mehr Rechte; wohl auch, weil Dassault für den FCAS gut gehütete Firmengeheimnisse seines Rafale-Jets hätte preisgeben müssen. Der ist nach wie vor ein Verkaufsschlager – und Airbus am Rüstungsmarkt eigentlich Rivale.

Nach außen hin wollte man das Ganze aber aus politischen Gründen nicht zu Grabe tragen – auch, weil Spanien sich daran beteiligt hatte und bereits viel Geld von den in Summe 100 Milliarden Euro Entwicklungskosten geflossen ist. Berlin hat bereits fast 500 Millionen Euro investiert, im Haushaltsentwurf 2026 stehen laut der NZZ weitere 1,214 Milliarden. Paris hat 2026 1,65 Milliarden dafür eingeplant.

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Dass die Deutschen dem Ganzen nun sehr nonchalant den Stecker zogen (Kanzler Merz ließ das Ende des Projekts durchsickern, ohne den Elysée vorab zu informieren), sorgt nun für weitere Turbulenzen. Emmanuel Macron hatte schon vor einiger Zeit in den Raum gestellt, auch das Main Ground Combat System (MGCS) kippen zu wollen, wenn aus dem Jet nichts wird. Die Panzerkooperation zwischen Deutschen und Franzosen hätte in den 2040er-Jahren den französischen Leclerc und den deutschen Leopard-Panzer ersetzen sollen.

Vorteil Trump

Airbus soll sich laut der FT nach Kooperationspartnern für ein neues Jetprojekt umsehen; Spanien, Schweden, Großbritannien und Japan seien mit an Bord. Bis sich da etwas bewegt, braucht die Bundeswehr aber neue Jets zur Überbrückung; darum will man kurzfristig mehr F-35 kaufen, heißt es. Damit würde Uncle Sam zum Zug kommen – wie immer.

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Source:: Kurier.at – Politik

      

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