
Wenn Bestseller-Autor Marc Elsberg („Blackout“, „Celsius“, „Eden“) am Anfang des vierten Speak-Out-Festivals thematisiert, was passiert, wenn Systeme zusammenbrechen, wird es eher ungemütlich. Vielen ist gar nicht bewusst, wie verletzlich unsere vernetzte Welt trotz – oder wegen – des technischen Fortschritts inzwischen ist.
Das KURIER-Speak-Out-Festival findet seit dem Jahr 2023 jährlich statt. Idee war (und ist), Entscheidungsträger aus Wirtschaft, Politik und ökologischen Verbänden über die großen Zukunftsthemen diskutieren zu lassen, damit sich die Besucher ein Bild machen können, wohin die Reise des Planeten Erde eigentlich geht.
Was der Strom alles macht
Elsberg zeigte anhand simpler Beispiele, was passiert, wenn das, was für uns alle normal und selbstverständlich ist, plötzlich nicht mehr geht. So skizzierte er etwa die Folgen eines Zusammenbruchs der Stromnetze in Europa. Was anfangs nur störend ist, wird schnell zu einem großen, katastrophalen Problem. Digitales Bezahlen fällt sofort weg, wer kein Bargeld bei sich hat, ist aufgeschmissen. Daheim stoppen die Kühlschränke, die Klospülung funktioniert mit dem verbleibenden Wasser im Spülkasten an vielen Orten genau einmal, mangels Ampelsteuerung wird der Verkehr zur Gefahr, Menschen könnten bis zu zwei Tage in Aufzügen gefangen bleiben, weil die Feuerwehr mit der Rettung aller Menschen in den Liften nicht nachkommt.
Systeme können aber auch ganz woanders schnell an ihre Grenzen stoßen; Elsberg erinnert an das Frachtschiff Ever Given, das im März 2021 im Suezkanal auf Grund lief, sich schräg stellte und dadurch die Schifffahrtsrinne des Kanals sechs Tage lang blockierte. Hunderte Schiffe stauten sich in beiden Fahrtrichtungen. Das hatte enorme Auswirkungen – Fabriken in Europa mussten etwa die Produktion stoppen, weil die Handelskreisläufe beeinträchtigt waren.
Elsberg zeigte aber auch auf, dass die Menschheit Probleme lösen kann. Als Beispiel dafür nannte er das Problem mit dem Ozonloch, das 1985 als direkte Auswirkung des Treibgases FCKW erkannt wurde. Und schon 1987 wurde diese Gefahr mit dem Montrealer Protokoll gebannt, indem FCKW weltweit verboten wurde. Elsberg erinnerte auch an den Rhein in Deutschland, der die längste Zeit als dreckige Kloake galt, aber heute wieder nahezu Trinkwasserqualität hat. „Wir können es, wenn wir wollen“, richtet Elsberg den Wirtschaftskapitänen und Politikern aus.
In insgesamt acht Podiumsdiskussionen und fünf Impulsreferaten ging es dann in die Tiefe: etwa zur Frage der europäischen Abhängigkeit von den USA in Sachen Digitalisierung, und wie sich Europa hier anders aufstellen muss.
Lernen von den USA
Klares Fazit der Debatte: Europa muss sich hier mehr fokussieren und von den Amerikanern lernen – sogar das Scheitern. Und die Europäer brauchen einen Kulturwandel, wie gute Ideen und gute Start-ups nicht in wenigen Minuten vom Silicon Valley abgeworben werden.
Energie-Staatssekretärin Elisabeth Zehetner beschrieb in ihrem Impulsreferat den Ausbau der erneubaren Energien. Das gehe künftig nur, wenn zu PV-Anlagen auch Batteriespeicher verbaut werden: „Wir müssen schauen, dass die volatile erneubare Energie zu einer verlässlichen Energie wird.“
Spannend auch das Panel zur Frage der Mobilität von morgen: Die Elektrifizierung des Pkw-Bestands in Österreich verläuft schleppend, nicht einmal fünf Prozent der rund fünf Millionen Pkw sind batterieelektrisch. Mit Ralf Stefan Diemer war auch der Geschäftsführer der eFuel Alliance Diskussionsteilnehmer, der genauso so wie Flughafendirektor Günther Ofner klarstellte, dass Österreich auch 2050 nicht …read more
Source:: Kurier.at – Politik



