Eine Harvard-Professorin nimmt die Boeing-Krise auseinander: Es sei „ein Beispiel dafür, wie man nicht vertrauenswürdig ist“

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Boeing 737 Max

Eine Professorin für Unternehmensführung an der Harvard Business School sagt, dass Boeings Geschichte „ein Beispiel dafür ist, wie man nicht vertrauenswürdig ist.“
Boeing-Chef Muilenberg habe viele Fehler gemacht und damit das Vertrauen der Menschen in die Marke Boeing beschädigt.
Unternehmen können Vertrauenskrisen vermeiden, wenn sie vier Dimensionen des Vertrauens beachten. Welche das sind, lest ihr hier.
Mehr Artikel von Business Insider findet ihr hier.

Die publikumswirksame Entscheidung von Boeings Geschäftsführer Dennis Muilenburg, in diesem Jahr keinen Bonus anzunehmen, zeigt, „wie wenig er von der menschlichen Natur versteht“, sagt Sandra Sucher, die Unternehmensführung an der Harvard Business School unterrichtet und über 25 Jahre Erfahrung im Industrie- und Non-Profit-Management verfügt. Dass Muilenburg seinen Bonus aufgibt sei „eine völlig seltsame Geste“, sagt sie. Der Manager sagte am Mittwoch auf der Dealbook-Konferenz, dass er auf einen Bonus im zweistelligen Millionenbereich verzichte.

Der Schritt folgte auf zwei Abstürze einer Boeing-Maschine 737 Max im Oktober 2018 und März 2019, die das Unternehmen erschütterten. Seitdem fordert die Öffentlichkeit Antworten. Muilenburg musste am 29. Oktober vor dem US-Kongress erscheinen und traf sich später privat mit den Familien der Opfer des zweiten Absturzes. Die Geschichten der Familien zu hören habe ihn sehr betroffen, sagte er. Deshalb wollte er eine individuelle Botschaft der Verantwortung senden, indem auf den Bonus verzichtet, bis wieder Maschinen der Max-Reihe in der Luft sind.

Der Schritt suggeriere absurderweise eine Gleichstellung zwischen dem Bonus von Muilenburg und den verlorenen Menschenleben, sagt Sucher. „Es herrscht Verwirrung darüber, was hier der gemeinsame Nenner sein soll“, sagte Sucher zu Business Insider. „Niemand denkt darüber nach, was er verdient — es geht darum, dass unter seiner Führung zwei Unfälle geschehen sind, bei denen 346 Menschen getötet wurden.“

Ein Chef, der freiwillig auf seinen Bonus verzichtet, hat Präzedenz. Inmitten der Rezession im Jahr 2009 hat das US-Unternehmen Honeywell seine Mitarbeiter beurlaubt — Sie mussten sich unbezahlten Urlaub nehmen, dafür konnte das Unternehmen auf Entlassungen verzichten. Die Mitarbeiter waren verständlicherweise verärgert, und die Top-Manager von Honeywell zeigten Sympathie, indem sie auf ihre Boni verzichteten. Der Bonus von David Cote, Honeywells damaligem CEO, mache etwa 4 Millionen Dollar aus, sagte er. In diesem Fall besteht eine Gleichwertigkeit, weil sie an der Kompensation gemessen wird.

Die Umstände von Boeing sind jedoch eher einzigartig. Dass Muilenburg seinen Bonus aufgibt, kann nicht darüber hinwegtäuschen, dass hunderte Menschen in schlecht konstruierten Boeing-Flugzeugen gestorben sind. Wenn er es bei dieser versöhnlichen Geste belassen würde, würde es quasi bedeuten, dass die Vergütung eines Geschäftsführers den Verlust mehrerer Menschenleben wiedergutmacht.

Die vier Dimensionen des Vertrauens

Sucher sagt, Führungskräfte müssen zunächst Kompetenz aufbauen, um die Grundlage für Vertrauen zu schaffen. Boeing habe dies mit dem Start des 737 Max nicht getan. Zunächst hatte das Unternehmen überlegt, ein neues Flugzeug zu bauen, anstatt das 1967 eingeführte Modell 737 weiterzuentwickeln. Dann erschien es durch die Konkurrenz seitens Airbus jedoch schnell lukrativer, als erst einmal zehn Jahre ein neues Flugzeug zu entwerfen. Also entschied sich Boeing für die 737 Max.

Sucher sagt, es wäre ein teures, aber notwendiges Unterfangen gewesen, nicht nur Kompetenz, sondern auch …read more

Source:: Business Insider.de

      

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