„Schadlos kann man eigentlich nur für die FDP oder die Grünen arbeiten“ – Werber Jean-Remy von Matt im Interview

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Jean-Remy von Matt

Jean-Remy von Matt hate sich vorgenommen, niemals Werbung für eine politische Partei zu machen. An diesem Grundsatz hielt er sich auch eisern, bis das Jahr 2015 kam. Einer der erfolgreichsten Werber Deutschlands hat mit seiner Agentur Jung von Matt seitdem zwei große politische Kampagnen gemacht. Die eine half Alexander von der Belle, in Österreich Präsident zu werden. Die andere verhinderte nicht, dass Bundeskanzlerin Angela Merkel bei der vorigen Bundestagswahl ein mäßiges Ergebnis einfuhr. Im Interview erklärt von Matt, weshalb er mit der Merkel-Kampagne hadert, was die AfD gerade richtig macht und weshalb er gerne die neue Werbekampagne der Bundeswehr übernehmen würde.

Business Insider: War deine Merkel-Kampagne ein Fehler?

Jean-Remy von Matt: Wir hatten uns immer vorgenommen, nie etwas mit Politik zu machen. Das war ein früher Grundsatz der Agentur. Insofern war die Entscheidung sehr kontrovers. Die Mehrheit im Vorstand war dagegen, ich habe mich aber trotzdem durchgesetzt. Ich hielt das für eine spannende Herausforderung. Jetzt muss man sich klar machen, dass die Situation, in der wir das angenommen haben, die Zeit war, als die AfD in Mecklenburg Vorpommern über die 20 Prozent schoss. Wir dachten, dass wir etwas Gutes tun, wenn wir Frau Merkel helfen, diese Bedrohung gut zu managen. Das war der Kontext der Entscheidung. Ich bereue die Entscheidung nicht, es war eine inspirierende Zeit in einem für mich völlig unbekannten Umfeld.

BI: Hast du dich davor überhaupt für Politik interessiert?

von Matt: Nein, offen gestanden war ich davor privat nicht besonders interessiert an Politik. Aber ein Jahr lang, jede Woche eine Stunde lang mit Frau Merkel an einem Tisch zu sitzen, das gehört zu den ganz besonderen Dingen, die mir die Branche ermöglicht hat. Deswegen will ich das nicht missen. Leider waren wir nicht sehr erfolgreich. Wir wurden zwar immer beruhigt, dass das nicht nur an uns lag. Ich finde aber schon, dass das an uns lag. Wir hätten das deutlich besser machen können. Vor allem bei der Kommunikation, in jeder Hinsicht. Später ist man immer schlauer, aus heutiger Perspektive glaube ich aber nicht, dass das eine besonders smarte und erfolgreiche Kampagne war, die wir da gemacht haben.

BI: War das dein erster Ausflug in die Politikberatung?

von Matt: Wir hatten davor schon einen erfolgreichen Ausflug in die Politik. Das war die Präsidentschaftskampagne für Alexander von der Bellen in Österreich. Das war sehr interessant, und auch sehr knapp am Ende. Die Wahl wurde ja zweimal wiederholt. Beim ersten Mal, weil das Ergebnis nicht klar genug war. Und beim zweiten Mal, weil es einen Fehler gab bei den Briefumschlägen. Da waren wir erfolgreicher, das war eine sehr starke Kampagne, die wir da gemacht haben. Die hat ihn dann auch zum Erfolg geführt, er ist danach Präsident geworden.

BI: Danach sind die Grünen in Österreich allerdings in der Versenkung verschwunden.

von Matt: Jetzt haben sie aber durch die wunderbare Sarah Wiener wieder ganz gut abgeschnitten bei der Wahl zum Europäischen Parlament. Aus meiner Sicht war es die beste Idee der Grünen in Österreich, Sarah Wiener zur Spitzenkandidatin zu küren. Ich glaube, das hat wirklich Prozentpunkte gebracht, …read more

Source:: Business Insider.de

      

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