100 Jahre Bauhaus: Wie eine Kunstschule zur Dachmarke der Moderne wurde

Kultur

Es ist eine der erfolgreichsten Marken des 20. Jahrhunderts: das Bauhaus. Keine andere der vielen Avantgarde-Schulen und -gruppen der Zeit zwischen 1890 und 1930 kann heute mit dem Namen dieser 1919 von Walter Gropius in Weimar begründeten Kunstschule konkurrieren.

1925 wurde sie von ihm nach Dessau umgesiedelt, seit 1930 von Hannes Meyer und seit 1932 von Ludwig Mies van der Rohe geleitet, 1933 nach kurzer Weiterexistenz in Berlin letztlich auf Druck der Nazis geschlossen. 14 kurze Jahre voller Widersprüche. Und doch ist das Bauhaus ein Begriff geworden wie Tempo oder Tesa, der für eine Sache an sich steht, die Dachmarke, in diesem Fall: die Moderne.

Französische Art déco, kantige Strenge

Dabei hatte der Franco-Schweizer Le Corbusier weit mehr Einfluss auf die Architektur Westeuropas, Südamerikas, Indiens oder Chinas. Die niederländische Gruppe De Stijl und die russischen Konstruktivisten waren künstlerisch oft radikaler als die Meister des Bauhauses.

Nordische Modernisten wie Alvar Aalto oder Arne Jacobsen, aber auch Bruno Taut und seine Kollegen aus der „Berliner Moderne“ entwarfen lebenstüchtigere Häuser. Und doch wirbt der Berliner Senat für Tauts Werke mit dem Begriff „Bauhaus“, was diesen sicher empört hätte.

Tel Aviv wurde als „Bauhausstadt“ in die Welterbeliste eingetragen – dabei zeigen die in den 30er- und 40er-Jahren entstandenen Häuser mit halbrunden Erkern sowie eher rhythmisch verteilten Balkonen zwar die Wirkung des französischen Art déco der 20er-Jahre oder den Einfluss des grandiosen deutschen Expressionisten Erich Mendelsohn, nicht aber die kantige Strenge des Bauhauses.

Hauptsache es blitzt das Stahlrohr

Wenn neues Design etwa für amerikanische, südkoreanische oder chinesische Handys oder Notebooks vorgestellt wird, und sei dieses noch so soft, fehlt kaum je der Hinweis auf die deutsche Kunstschule der 20er-Jahre. Teure Appartements werden als „im Bauhaus-Stil“ angepriesen, wenn sie nur ausreichend weiß, kantig und mit großen Fenstern versehen sind.

Nachproduziertes Bauhaus-Design ist beliebtes Accessoire, Hauptsache es blitzt das Stahlrohr. Die originalen Stücke erbringen auf Auktionen Spitzenpreise, und wenn das rekonstruierte „Triadische Ballett“ von Oskar Schlemmer aufgeführt wird, sind die Karten weltweit sofort ausverkauft.

Funktionalität, Schlichtheit und Schönheit

Keine andere moderne Kunstschule wird derart intensiv museal gefeiert: im New Yorker Museum of Modern Art schon seit den Dreißigern, im Berliner Bauhaus-Archiv seit 1960, ähnlich in den Weimarer Kunstsammlungen, in Dessau seit den späten Siebzigern. Alleine in diesem Jahr stehen zwei Bauhaus-Museen vor der Eröffnung, in Weimar das von Benedikt Tonon und in Dessau das von González Hinz Zabala entworfene.

Und in Berlin wird nach den Plänen von Volker Staab das von Walter Gropius und Alexander Cvijanovic entworfene Bauhaus-Archiv, die mit Abstand bedeutendste Sammlung zum Thema, erweitert. Schließlich hat im chinesischen Fuyang im vorigen Jahr das neueste Bauhaus-Museum eröffnet: Eine für sehr viel Geld aus Berlin angekaufte Privatsammlung ist in dem von Alvaro Siza entworfenen großen Haus vorzüglich arrangiert worden. Sie soll den Studierenden der dortigen Kunstakademie zeigen, wie Funktionalität, Schlichtheit und Schönheit zusammenkommen können.

Laienhaftigkeit als Ansporn

Das Bauhaus erregt bis heute durch die Experimentierlust, den Trotz gegen alle akademische Schulbildung und den gerade in Deutschland auffallenden Mut zum Scheitern. Manches entstand an dieser Schule einfach deswegen, weil auch die Meister selbst das Fach erst lernen mussten. Laienhaftigkeit war hier …read more

Source:: Berliner Zeitung – Kultur

      

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