„Amsterdam“ im Nestroyhof: Offene Rechnung aus der dunklen Vergangenheit

Kultur

Das Stück „Amsterdam“ von Maya Arad Yasur im Theater Nestroyhof / Hamakom (Von Susanne Zobl).

Eine junge Frau will Eier braten, doch der Herd funktioniert nicht. Es gibt kein Gas. Dann ein seltsames Klopfen an der Tür. Ein Umschlag wird unter den Schlitz geschoben. Der Briefträger fällt als Überbringer aus, denn die kommen in Amsterdam nicht ins Haus. Eine offene Gasrechnung über 1.700 Euro, inklusive Mahngebühren. Das Dokument stammt aus dem Jahr 1944.

Das ist die Ausgangsbasis von Maya Arad Yasurs „Amsterdam“, das beim Berliner Theatertreffen 2018 mit dem Stückmarktpreis gekürt wurde. Zurecht, wie Regisseur Alexandru Weinberger-Bara bei der österreichischen Erstaufführung seiner akkuraten Inszenierung im Theater Nestroyhof/Hamakon erleben lässt.

Theater Nestroyhof/Marcel Koehler

In kompakten, eineinhalb Stunden folgt er Yasurs Pfad in den Schacht der dunkelsten Vergangenheit des 20. Jahrhunderts.

Präzise sind da große Themen wie Antisemitismus, Xenophobie, Diskriminierung und Verrat ganz logisch und dennoch mit jeder Wendung verblüffend zu einem schwebenden Geflecht verwoben. Nichts lässt Yasur aus, auch für den Krieg im ehemaligen Jugoslawien findet sie Platz. Im Laufe des Stücks erfährt man, dass diese junge Frau wie ihre Schöpferin aus Israel stammt. Eine Violinvirtuosin ist sie und im neunten Monat schwanger.

Mehr soll hier nicht verraten werden, denn man kommt aus dem Staunen nicht heraus, wie ganz sublim das Rätsel um diese offene Rechnung gelöst wird und dabei die ständige Präsenz des Antisemitismus spürbar gemacht wird.

Weinberger-Bara vertraut der brillanten Übersetzung von Matthias Naumann und der Kraft seines Ensembles. Claudia Kainberger, Theresa Martini und Benjamin Vanyek entwickeln die Handlung nur durch Sprache. Jeder Moment ist stimmig, das Spiel mit Licht, die Toneinspielungen und die wenigen Videoprojektionen. Das Publikum bejubelte die Aufführung.

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Source:: Kurier.at – Kultur

      

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