Auf psychedelischer HipHop-Klassenfahrt: Rapper Lil Yachty in Wien

Kultur

Der US-Star bot in Wien ein intensives Konzert und fuhr dabei mit Band und als Solo-Rapper einen Zickzackkurs

Die Welt ist nicht einfach zu durchschauen für den, der nur gelegentlich HipHop hört: Denn die Stars des Genres verbindet und trennt eine Architektur aus Allianzen und Animositäten, die oft nicht minder kompliziert erscheint als jene der internationalen Diplomatie. Der US-amerikanische Star, der am Mittwoch das Wiener Gasometer beehrte, ist in dieser Struktur nah am Zentrum dran, insbesondere, seit sich die zwei Übergrößen des US-Rap, Kendrick Lamar und der auch als André-Heller-Investor bekannte Drake, einen ausgedehnten „Beef“ (Streit) liefern: Die beiden beflegeln einander seit einiger Zeit mit untergriffigen Texten und Social-Media-Postings. Lil Yachty (ausgesprochen: Lil Yah-dih), Co-Autor einiger Drake-Texte und dessen Lager zuzuordnen, schaltete sich ebenfalls in den Konflikt ein.

Am Mittwoch aber stand Yachty (bürgerlich: Miles McCollum) nicht in irgendwelchen Memes und Texten, sondern live auf der Bühne – und wusste das Saalpublikum durchaus zu begeistern und zu wilden Mosh-Pit-Tänzen hinzureißen. Wobei das Konzert – nach einer Absage im vergangenen Dezember nachgeholt – eigentlich aus zwei ineinander verschränkten Auftritten bestand. Und in der ungewohnt engen Verschachtelung von psychedelischem Rock, Punk-Energie und eher klassischem Rap dann doch überraschte. 

Getty Images/Xavi Torrent/Getty ImagesBlubberblasen

Mit lustigen Pilzen, Pillen und Blubberblasen war in einem länglichen Video-Intro beim Konzert schon angedeutet, wohin die Reise gehen könnte. Die reine Frauen-Band, die sich danach aus dem lila Bühnennebel abzeichnete, ist eine relativ neue Hinzufügung im Werk des 26-Jährigen aus Atlanta: „Let’s Start Here“ heißt das 2023 erschienene Album, auf dem Yachty tief in die Kiste der 1970er-Jahre greift, Disco-Elemente einbaut und die bunte Welt aus Afrofuturismus, Parliament & Funkadelic durch den chemisch entschleunigten Retro-Fleischwolf dreht. Das Material wird auch live umgesetzt. So ganz grooven wollte es zu Beginn aber nicht, der Wummer-Sound der Gasometerhalle tat das seine, und so schien es fast wie eine Verzweiflungstat, dass die Band in ein kurzes Cover des Phil Collins‘-Klassikers „In the Air Tonight“ (!!!) abdriftete. „Ist das HipHop?“, könnte man an dieser Stelle fragen – Thema verfehlt, setzen. 

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Tatsächlich sitzt Lil Yachty aber doch auf einem Berg eingängiger Party-Songs, die nie für eine Live-Band gedacht waren: Und so kam es zu einem ausgedehnten Mittelteil, in dem er diese Hits zum Besten gab und sich zum feinen, rhythmisch sicheren Rapper mauserte. Dass sein Stil sonst eher mit einem flüsternden Gemurmel assoziiert wird, konnte man bei kantigen Tracks wie „Poland“ oder „Minnesota“ fast vergessen. 

In einem dritten Teil kam die Band schließlich wieder auf die Bühne, eine deutlich gelöste Stimmung und ein besserer Sound kam ihr entgegen. Ganz wollten sich die verschiedenen Stile nicht aneinander fügen, die „Field Trip Tour“ – übersetzbar als „Klassenfahrt“ – war jedenfalls in Regionen abgebogen, die der HipHop-Klassenvorstand normalerweise nicht ansteuert. Es blieb die Frage, zu welcher Fusion sich die Musik dieses Rapstars in weiterer Folge noch entwickeln könnte – aber irgendwie ist Sprunghaftigkeit wohl auch Teil des Programms.  Das Publikum quittierte den Auftritt jedenfalls mit vielen Herzerl-Symbolen, die es Lil Yachty entgegenstreckte. 

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Source:: Kurier.at – Kultur

      

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