Bellini im Asterix-Dorf: Die operklosterneuburg zeigt die Belcanto-Oper „Norma“

Kultur

Musikalisch hat die Bellini-Produktion mehr zu bieten.

Von Susanne Zobl.

Die gute Nachricht zuerst: Die operklosterneuburg hat eine Zukunft. 21 Bewerbungen stehen für die Intendanz der sommerlichen Freiluftoper im Kaiserhof des Stifts zur Auswahl. Nach 26 erfolgreichen Jahren war Michael Garschall aus persönlichen Gründen zurückgetreten. Geschäftsführer Franz Brenner machte heuer zwei Produktionen möglich. Vincenzo Bellinis „Norma“ und die Wiederaufnahme von Giuseppe Verdis „Don Carlo“ in der ansehnlichen Inszenierung von Günther Groissböck. 

Man ging dabei offensichtlich ökonomisch vor. Denn für Bellinis beliebten Belcanto-Klassiker verwendete Hans Kudlich (Bühne) Versatzstücke aus „Don Carlo“. 

Roland Ferrigato

Mit wenigen Ergänzungen verwandelte er die Bühne in ein gallisches Dorf. Eine goldene Scheibe im Hintergrund dient als Gong und Portal. Hinkelsteine sind zu einem Altar aufgeschichtet. 

Das Personal könnte einem „Asterix“-Comic entstiegen sein. Mit Schwertern, Pfeil und Bogen gerüstet wird zur Ouvertüre aufmarschiert. 

Die titelgebende Druidenpriesterin Norma waltet in wallendem Überhang ihres Amtes. Die Novizin Adalgisa ist mit ihrem hellblonden, langen Haar Falbala, Obelix’s Flamme, nachempfunden. Hätte Regisseurin Monica I. Rusu-Radman daraus etwas gemacht, wäre es kein Schaden gewesen. Doch sie setzt auf Statik, lässt das Ensemble mit großen Gesten agieren und fertig.

Musikalisch hat diese Produktion allerdings mehr zu bieten. Karina Flores ist eine durchaus ausdrucksstarke Norma. Ihre Koloraturen gestaltet sie mit Sorgfalt und etwas Mühe. Beim „Casta Diva“, der Glanz-Arie der Oper, setzt sie auf  Theatralik und wird dabei auch vom Dirigenten in eine gewisse Getragenheit geführt, gleicht Mängel aber durch das dunkle Timbre und ihrer Piano-Kunst aus. 

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Margarita Gritskova ist eine betörende Adalgisa. Intensiv entfaltet sie ihren sehr schönen Mezzosopran. Tenor Arthur Espiritu ist auch stimmlich ein bodenständiger Pollione. Famos Gabriela Hrzenjak als Clotilda und Beniamin Pop als Oroveso. Christoph Campestrini führt die Beethoven Philharmonie und den engagierten Chor mit Verve.

KURIER-Wertung: Drei Sterne

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Source:: Kurier.at – Kultur

      

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