Bildhauergebäude des Bundes: „In einem maroden Zustand“

Kultur

Die Praterateliers werden endlich saniert. Andrea Mayer schwebt ein lebendiger Ort vor – ohne die Geister der toten Künstler

Es gibt Füchse, Dachse, sogar einen Rehbock. Es gibt prächtige Bäume, die unter Schutz stehen, und Skulpturen, die an verlorene Zeiten erinnern. Auch wenn über der Toreinfahrt in der Meiereistraße in Versalien „Bildhauergebäude des Bundes“ steht: Kaum jemand würde vermuten, dass hier, zwischen drei riesigen Sportanlagen (dem Vienna Cricket and Football-Club, der Trabrennbahn Krieau und dem Ernst-Happel-Stadion) ein seit knapp 150 Jahren der Kunst gewidmetes Areal liegt.

 

Thomas Trenkler

Die zwei sich gegenüberstehenden Gebäude, die auch Sommerresidenzen etwa in Mähren gewesen sein könnten, wurden für die Wiener Weltausstellung 1873 errichtet: Zusammen mit einer äußerst lang gezogenen Halle bildeten sie den Kunstbezirk – rund um einen Garten, der von einer spektakulären Kopie des Sultan-Ahmed-Brunnens in Istanbul dominiert worden sein soll. In der Kunsthalle durften sich die Länder präsentieren; die beiden dreiflügeligen „Pavillons des amateurs“ hingegen sollten die Sammlungen privater Kunstliebhaber beherbergen.

Hier konnte Carl von Hasenauer, mit der Planung und Errichtung aller Gebäude im Prater beauftragt, Erfahrungen sammeln. Denn in der Folge baute er zusammen mit Gottfried Semper das Naturhistorische und das Kunsthistorische Museum am Ring.

„Würde und Dauer“

Nach der Weltausstellung, der bis dahin größten ihrer Art, wurde der Großteil der Gebäude abgerissen. Lediglich die Rotunde mit der gewaltigen Kuppel und die Maschinenhalle sollten, wie Kaiser Franz Joseph im Juli 1875 festhielt, noch fünf Jahre bestehen bleiben – und die beiden Amateur-Pavillons sogar zehn Jahre. Denn die Bildhauer brauchten dringend Ateliers für ihre monumentalen Ringstraßen-Skulpturen.

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So kam es, dass diese Gebäude, die, wie der Architekturkritiker Matthias Boeckl schrieb, „eine Aura von Dauer und Würde verströmten“, erhalten blieben. Wenn auch nicht ganz unbeschadet: Bei der Schlacht um Wien im April 1945 wurde der nördliche Pavillon von einer Bombe getroffen. Nach dem Zweiten Weltkrieg kam es zu einer recht radikalen Wiederherstellung mit provisorischem Charakter: mit nackten Betonpfeilern statt Säulen, ohne jegliches plastisches Dekor.

 

 

Thomas Trenkler

Nach 1945 schmucklos wiederhergestellt: der nördliche Pavillon 

Von da an tat sich nicht mehr viel. Das von Josef Pillhofer, Karl Prantl, Bruno Gironcoli, Roland Goeschl, Gerhardt Moswitzer und anderen Bildhauern genutzte Paradies geriet mehr oder weniger in Vergessenheit. Und der Bund tat nicht einmal das Dringlichste, um die Gebäude zu erhalten. Sie schienen dem Verfall preisgegeben.

Kurier/Jeff Mangione

Kündigte 2010 die Sanierung bloß an: Claudia Schmied (SPÖ)

Im April 2010 allerdings kündigte die damalige Kulturministerin Claudia Schmied (SPÖ) an, dass die Praterateliers in das Eigentum der Bundes Immobilien Gesellschaft (BIG) übertragen und von dieser um zwei Millionen Euro saniert würden: Bis zum Sommer werde, tat sie kund, ein Konzept erarbeitet, um die „Adaptierungen rasch durchführen“ und neue Mietverträge abschließen zu können. Denn seit dem Tod von Alfred Hrdlicka (am 5. Dezember 2009) und Bruno Gironcoli (am 19. Februar 2010) werde „in acht der 23 Ateliers nicht gearbeitet“, sie hätten „wegen ihrer Sanierungsbedürftigkeit“ nicht vermietet werden können.

„Auf das Notwendigste“

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Source:: Kurier.at – Kultur

      

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