Corona-Alltagsgeschichten: „Social Distance“ auf Netflix

Kultur

Die Netflix-Serie ist ein Artefakt der (traurigen) Lockdown-Epoche.

Ike spricht sichtlich gebrochen via Video-Konferenz zu den anderen Teilnehmern der Gruppentherapie. Er erzählt von seiner misslichen Lage, seiner inneren Unruhe und den täglichen Kampf gegen das Alleinsein.Denn seit dem sein Barber-Shop aufgrund des Coronavirus schließen musste, weil nicht systemrelevant, seine Freundin ihn wegen seines Alkoholproblems verlassen hat, ist er mit sich selbst alleine im Lockdown gefangen. Und das ist nicht gut. Dementsprechend schlecht geht es Ike.

Diese, einem durchaus nahegehende Szene, stammt aus einer Folge von „Social Distance“. Die Serie ist ein Abziehbild davon, was sich bei vielen Menschen im Lockdown psychisch abgespielt hat. Die via Netflix abrufbare Produktion präsentiert acht voneinander unabhängige Geschichten mit einer Länge von rund 20 Minuten.

Am Bildschirm tauchen US-Amerikaner auf, die im April und im Mai dieses Jahres (zu) viel Zeit zu Hause verbracht haben. In diesen Geschichten erkennt man sich immer wieder auch selbst, blickt quasi in den eigenen Rückspiegel und dadurch in eine Lebensphase zurück, die noch länger nachwirken wird. Das in kurzer Zeit entstandene „Social Distance“ ist natürlich keine klassische Serie, sondern eher ein filmisches Experiment, das diese verrückte „Neue Normalität“ für die Nachwelt dokumentieren möchte.

Und das gelingt der Serie auch phasenweise sehr gut, was mit Sicherheit an den Schöpfern liegt: Hilary Weisman Graham und Jenji Kohan, durch „Orange Is the New Black“ bekannt geworden, gelingt hier ein mit (schwarzem) Humor angereicherter Blick auf die Absurdität des Corona-Alltags. Die online abgehaltene Trauerfeier für einen Vater, Opa und gefürchteten Patriarchen, endet in einem großfamiliären Streit.

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Aber in den acht Folgen werden nicht nur private Baustellen und seelische Wunden offengelegt, es spielen in einigen Folgen auch tagesaktuelle Themen eine Rolle – etwa die Tötung von George Floyd am 25. Mai in Minneapolis und die dadurch erweckte Black-Lives-Matter-Bewegung.

Psychogramm

Es sind oft berührende, hin und wieder auch belanglose, lustige und traurige Alltagsgeschichten, die zusammen ein Psychogramm einer Zeit ergeben, die nur wenige Monate vergangen ist – und in diesem Ausmaß hoffentlich nie mehr wiederkommt.

INFO: Die achtteilige Serie „Social Distance“ ist auf Netflix abrufbar.

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Source:: Kurier.at – Kultur

      

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