Das Volkstheater – „ein oppositioneller Pfeil Richtung Hofburg“

Kultur

Kay Voges, der neue Direktor des Volkstheaters mit einem Faible für österreichische Dramatik, erklärt seine Programmatik

Heute, Dienstag, stellt Volkstheaterdirektor Kay Voges seine Pläne für die kommende Saison vor. Natürlich wird etliches nachgeholt, was er bereits für diese Saison angekündigt hatte. Im Interview verrät Voges auch neue Projekte – darunter die Uraufführung „Ach, Sisi – 99 Szenen“. Zu sehen sein werden zudem „Der Würgeengel“ nach Luis Buñuel und eine Bearbeitung von Ödön von Horváths „Kasimir und Karoline“.

KURIER: Sie sind seit dem Herbst 2020 Volkstheaterdirektor. Wie war das für Sie während der Schließzeit?

Kay Voges: Als Theatermacher wollte ich natürlich, dass im Jänner, nach Ende der Renovierungsarbeiten, volle Kanne losgelegt wird. Aber das ging nicht. In den vergangenen Monaten hatte ich richtig Existenzkrisen. Denn mein Auftrag ist es, Geschichten auf der Bühne stattfinden zu lassen. Ähnlich ging es den neuen Ensemblemitgliedern. Das zehrte an den Kräften – und auch am Selbstbewusstsein. Warum ist man überhaupt nach Wien gekommen, wenn man nicht Theater spielen darf? Sie glauben gar nicht, welcher Stein mir vom Herzen gefallen ist, als klar war, dass ich endlich wieder Menschen ins Theater lassen darf!

Thomas Trenkler

Frisch renoviert: das Volkstheater

Sie hätten ab 19. Mai spielen dürfen. Und dann haben Sie nur zehn Tage Programm gemacht – von 26. Mai bis 6. Juni. Wir hätten gedacht, dass Sie die gesamte Zeit bis zu den Theaterferien nutzen, um sich vorzustellen. Stattdessen haben Sie das Haus an die Festwochen vermietet.

Da geb’ ich Ihnen recht: Das fühlt sich schäbig an. Wir hätten gern mehr gespielt. Aber es gibt eben Verträge mit den Festwochen. Diese Kooperation galt es auch in einer Ausnahmesituation wie dieser Pandemie weiterzuführen. Wir haben also ein House Warming gemacht – und einen Einblick in ästhetische Möglichkeiten gegeben.

  Eine laue Sommernacht

Sie brachten Ihre Dortmunder Inszenierung von „Der Theatermacher“. Am selben Abend hatte „Die Jagdgesellschaft“ im Akademietheater Premiere – auch von Thomas Bernhard. War das Absicht?

Plötzlich durfte man doch spielen. Das erzeugte eine große Hektik. Die Disposition lief daher ohne Absprache mit anderen Häusern. Dass Thomas Bernhard zweimal die Ehre erwiesen wurde: Das ist ja nur schön! Dass wir keine Neuproduktion gezeigt haben, liegt auch daran, dass nichts älter ist als eine Premiere von vor zwei Monaten. Wir starten hoffentlich mit einem Glas Sekt in der Hand am 3. September.

Kurier/Gilbert Novy

Was passiert an diesem Tag?

Ich inszeniere zum Beginn „Die Politiker“ von Wolfram Lotz – als österreichische Erstaufführung. Ich glaube, dieser Text wird in zehn Jahren noch gespielt werden: Er hat das Zeug, zu einem Theaterklassiker zu werden.

Wie definieren Sie eigentlich Ihre Volkstheaterdirektion?

Das Zentrum ist das Ensemble, das hier für die Wienerinnen und Wiener spielen wird. Um dieses Zentrum gibt es vier Säulen, die einander permanent befruchten sollen. Die eine Säule ist die Musik. Wir haben ein musikalisches Rahmenprogramm, und die Musik wird auch eine wichtige Rolle in den Stücken spielen. Ein anderer Schwerpunkt ist österreichische Dramatik, junge Dramatik, aber auch so etwas wie Thomas Bernhard, jüngere Klassiker. Dann gibt es das Thema der Auseinandersetzung mit der Digitalisierung. Und ein weiteres Thema ist die bildende Kunst.

Das bedeutet konkret?

Ein Beispiel, …read more

Source:: Kurier.at – Kultur

      

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