Der Ort, der Mythos, die Musik : Wie das Woodstock-Festival in die Geschichte einging

Kultur

Das legendäre Pop-Festival von Woodstock, das vom 15. – 18. August vor 50 Jahren im US-Bundesstaat New York stattfand, hat spätere Generationen wie kein anderes kulturelles Ereignis beeinflusst. Wo war das genau, was wurde gespielt, und was bedeutet es heute? Frank Junghänel, Markus Schneider und Harry Nutt haben das Woodstock-Gefühl in ihrer Jugend durchlebt und einer angemessenen Revision unterzogen.

Der Ort: Hinter den sieben Bergen

Die Geschichte von Woodstock beginnt mit einem großen Missverständnis und einem kleinen Haus in den Catskill Mountains, zwei Stunden nördlich von New York City. In der Idylle der einstigen niederländischen Kolonie Nieuw Nederland, früher einmal Siedlungsgebiet der Delaware, hatten schon seit Anfang des 20. Jahrhunderts Schriftsteller, Komponisten und Kunsthandwerker Ruhe vor der Stadt und Inspiration für ihre Arbeit gesucht. Es ist ein Ort, wie gemacht zum schöpferisch Sein und überhaupt nichts Tun. Eine Oase der gelassenen Kleinbürgerlichkeit in bäuerlicher Umgebung.

Verlässt man den Highway 87, der von Manhattan aus schnurgerade dem Tal des Hudson Rivers folgt, in Richtung der Catskills, schlängelt sich die schmale Straße über gurgelnde Bäche hinweg, durch saftige Laubwälder, vorbei an Feldern und Wiesen und Einfamilienhäusern im typischen pastellfarbenen Anstrich.Etwas außerhalb der Künstlerkolonie von Woodstock hatte der Musiker Rick Danko 1967 ein Haus gemietet, 170 Quadratmeter, zwei Etagen über einem Keller, der bald Popgeschichte machen sollte.

Danko war damals Bassist in der Begleitband von Bob Dylan und hatte viel Zeit und Muße, da weitere Tourneepläne auf Eis lagen. Dylan war schon eine Weile vor ihm aus dem New Yorker Künstlerviertel Greenwich Village nach Woodstock rausgezogen. Er hatte die Nase voll von den Irren, die seinen Müll nach Erinnerungsstücken durchsuchten.

Ein Plattenstudio in Woodstock

Erst wohnte er in einem Zimmer über einem Café mitten im Ort, später suchte er sich und seiner rasch wachsenden Familie eine größere Bleibe. Sein Leben nahm eine dramatische Wendung, als er im Sommer 1966 in der Nähe von Woodstock mit dem Motorrad verunglückte. Der Musiker, damals der berühmteste Popstar der Welt, zog sich aus allem zurück und widmete sich von jetzt an dem bukolischen Leben.

Aber ganz ohne Musik ging es auch wieder nicht, und so traf er sich zwischen Juni und Oktober 1967 immer mal wieder mit Rick Danko und den anderen aus seiner Band, Levon Helm, Garth Hudson, Robbie Robertson und Richard Manuel, in dem Häuschen auf dem Land, wo sie im Keller gemeinsam jammten. Eine Bandmaschine lief mit, aber die sogenannten „Basement Tapes“, die Kellerbänder, waren eigentlich nicht zur Veröffentlichung bestimmt und kamen erst 1975 heraus.

Ein Dutzend anderer Songs, die ebenfalls in diesem Keller mitgeschnitten wurden, bildeten 1968 jedoch das Debütalbum von The Band. Es wurde nach dem rosa gestrichenen Holzhaus in der Nähe von Woodstock benannt und trug den Titel: „Music From Big Pink“.

Damit hatte der Mythos von Woodstock eine Adresse. Daraus müsste sich doch was machen lassen, dachten sich die Geschäftsleute Michael Lang und Artie Kornfeld, beide Mitte zwanzig. Lang hatte in Miami einen Laden für Cannabis-Zubehör betrieben, Kornfeld war Vize-Präsident von Capitol Records. Auf der Suche nach einem gemeinsamen Projekt kamen sie auf die Idee, in Woodstock ein …read more

Source:: Berliner Zeitung – Kultur

      

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