Deutscher Buchpreis: Diesmal keine Österreicher auf der Shortlist

Kultur

Die Entscheidung, welches der sechs nominierten Bücher prämiert wird, fällt am 17. Oktober.

Auf der Shortlist für den Deutschen Buchpreis steht heuer kein einziger Titel aus Österreich. Chancen auf den mit 25.000 Euro dotierten Preis, der am 17. Oktober vergeben wird, haben Fatma Aydemir („Dschinns“), Kristine Bilkau („Nebenan“), Daniela Dröscher („Lügen über meine Mutter“), Jan Faktor („Trottel“), Kim de l’Horizon („Blutbuch“) und Eckhart Nickel („Spitzweg“). Marie Gamillscheg, Reinhard Kaiser-Mühlecker und Anna Kim sind nicht mehr im Rennen.

Fatma Aydemir erzählt in „Dschinns“ (Hanser) von einer Gastarbeiterfamilie. Der Vater hat sich buchstäblich zu Tode geschuftet, die Verwandten reisen zur Beerdigung an. Die 1986 in Karlsruhe geborene Autorin lässt die Familienmitglieder abwechselnd zu Wort kommen. So unterschiedlich ihre Ansichten sind: Sie eint das Gefühl der Heimatlosigkeit. Aydemir lüftet die Geheimnisse der Familie „präzise und einfühlsam“, wie die Jury findet. Das Buch behandele einen Teil der jüngeren deutschen Geschichte, „der bisher kaum in der Literatur zu finden ist“.
„Nebenan“ von Kristine Bilkau (Luchterhand) dreht sich um das Schicksal zweier Frauen in der norddeutschen Provinz. Die eine führt eine liebevolle Partnerschaft, leidet aber unter ihrem unerfüllten Kinderwunsch. Die andere, Mutter dreier Söhne, will sich aus dem Berufsleben zurückziehen. „Meisterhaft“ findet die Jury den „subtil erzählten“ Roman der Hamburger Autorin. Sie zeige, „welche Abgründe in einem scheinbar alltäglichen Leben lauern“. Die Stärke des Buchs liege „in den Details und den kleinen Kippmomenten“.
Auch in Daniela Dröschers „Lügen über meine Mutter“ (Kiepenheuer & Witsch) geht es um eine Frau. Das Buch der 1977 in Rheinland-Pfalz geborenen Autorin spielt im Hunsrück Mitte der 1980er-Jahre. Aus der Kinderperspektive erzählt die Autorin von der vom Leben enttäuschten Tochter schlesischer Flüchtlinge. Die Fassade der kleinbürgerlichen Aufsteigerfamilie zerfällt endgültig, als die Mutter ihr Erbe verschleudert und den Ehemann aussperrt. Eine „literarische Mikrosoziologie“ nennt die Jury das Buch. Der Text werde immer wieder „von essayistischen Einschüben“ unterbrochen.

  Tummelplatz der Pinzettenartisten

Jan Faktor beschreibt in „Trottel“ (Kiepenheuer & Witsch) den Weg eines Außenseiters von Prag nach Berlin, vom Arbeitnehmer im realexistierenden Sozialismus zum Schriftsteller – biografische Parallelen nicht ausgeschlossen. Der Autor wurde 1951 in Prag geboren und übersiedelte 1978 in die DDR, wo er als Kindergärtner und Schlosser arbeitete. Im Kern des Romans steht der Verlust eines Sohnes. Der Roman „verbindet Zeitgeschichte und Lebensgeschichte auf sehr besondere Weise“, findet die Jury. „Faktor gelingt das große Kunststück, mit einer Geschichte über Trauer Witz zu erzeugen.“ Das Buch sei „ein provokanter, bisweilen verstörender Schelmenroman“.
In Eckhart Nickels „Spitzweg“ (Piper) wird ein Kunstbanause zum glühenden Verehrer des titelgebenden Malers. Der 1966 in Frankfurt am Main geborene Autor erzählt von einer Schülerfreundschaft, einer Dreiecksbeziehung und einem Gemäldediebstahl. „Ein großes intelligentes Lesevergnügen“, findet die Jury, „eine meisterhafte Reflexion über die Beziehung von Kunst und Leben“. Das Buch spiele mit übertriebener Gelehrsamkeit, verschachtelten Sätzen und einem antiquierten Vokabular. Trotz aller philosophischen Tiefe sei der Roman temporeich und komödiantisch.

Kim de l’Horizon, 1992 bei Bern geboren, identifiziert sich als nicht-binär. Auch die Hauptfigur des Romans „Blutbuch“ (Dumont) heißt Kim und fühlt sich weder ausschließlich männlich noch weiblich. Als die Großmutter ihre Dominanz an die Demenz verliert, beginnt Kim eine eigene …read more

Source:: Kurier.at – Kultur

      

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