„Die Leute wollen nicht mehr mit einem Glas Wein fotografiert werden“

Kultur

Er ist der Grandseigneur seiner Zunft und denkt auch mit weit über 80 nicht an Ruhestand.

KURIER: Sie haben bei rund 20 Olympischen Winterspielen fotografiert. Ist Sport die Königsdisziplin für Fotografen?

Kristian Bissuti: Für mich als Pressefotograf schon. Man muss schnell reagieren, man kann das Foto ja nicht nachstellen. Der Skifahrer fährt bei dir vorbei – entweder du hast ihn oder nicht. Bei den Adabei-Bildern ist das anders: Die kannst du drei- oder sechsmal machen: Die Leute stellen sich immer wieder aufs Neue für dich hin.

Ist Ihre rote Hose Ihr Markenzeichen?

Ja, ebenso wie meine rote Brille. Es ist ja nicht nur wichtig, die Leute zu kennen, sondern auch, dass die Leute dich erkennen, dich mögen und sich fotografieren lassen.

Sie sind gerne Gast im legendären Wiener Innenstadtlokal Gutruf. Alle Exponate der beträchtlichen Künstler-Fotogalerie dort sind von Ihnen. Ist das Ihr erweitertes Wohnzimmer?

Ich durfte schon als 20-jähriger Fotograf hingehen – man wurde da zuerst einmal mitgenommen und der alteingesessenen Künstlerrunde vorgestellt.

Nur Herren, nehme ich an.

Man wollte in Ruhe diskutieren. In dem Moment, wo eine Frau erscheint, fangen ja alle zu balzen an. Aber es kamen natürlich schon auch Damen: einige Künstlerinnen oder die Kolumnistin Eva Deissen waren gern gesehen. Ich gehe nach wie vor gerne auf ein Glasl Wein vorbei und unterhalte mich mit leider immer weniger Bekannten.

Wie hat sich der Fotografenjob in den vergangenen Jahrzehnten verändert?

Die Technik hat sich stark verändert: Zuerst kam der Motor, dann der Autofokus, dann hat sich die Blitztechnik verändert. Die Zeitungen sparen ein – leider bei den Fotografen. Es ist daher eher ein freier Beruf geworden. Die Fotografierten – sowohl in der Politik wie im Sport – wollen plötzlich nicht mehr mit einem Glas Wein in der Hand fotografiert werden. Aber was ist da schon dabei? Es wird mehr aufgepasst als früher.

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Sie waren und sind auch Society-Fotograf. Wie lustig bzw. unlustig ist der Paparazzi-Job?

Dieser richtige Paparazzi-Job wurde bei uns – im Gegensatz etwa zu England – nicht verlangt. Die Yellow Press ist viel brutaler.

Werden Prominente von Fotografen nicht überhaupt zu arg bedrängt? Siehe Lady Di oder jetzt die überforderte Sharon Stone am Opernball.

Mein Mitleid hält sich dennoch in Grenzen. Manches ließe sich verhindern. Lady Di und ihr Begleiter Dodi Al Fayed hätten damals den Hotel-Hintereingang wählen oder getrennt das Hotel verlassen können. Und andere wie Sharon Stone kriegen viel Geld für einen Auftritt mit ihrem Gastgeber.

Wie oft kassiert man als Fotograf einen Rempler von Kollegen?

Mir ist das immer nur zufällig passiert. Das Gedränge in Deutschland, als ich für die Bild gearbeitet habe, war aber schon enger.

Ist den Profifotografen Konkurrenz durch die allgegenwärtigen Handyfotos erwachsen?

Die Fotos sind keine Konkurrenz, aber die lästigen Handyfotografen behindern uns bei der Arbeit. Alle rennen rum, halten die Kamera ins Bild rein und wollen vielleicht noch ein Selfie machen mit jemandem, den wir gerade ablichten.

Mit Künstlicher Intelligenz kann man jetzt alle Fotos verändern.

Das ist ein Problem und bedarf neuer Gesetze. Der Abgebildete muss sich gegen manipulierte Bilder wehren können.

Was waren Ihre schwierigsten Arbeiten?

Sicher die Kriegsberichterstattung. Ich war zum Beispiel beim Prager Frühling: Binnen Sekunden …read more

Source:: Kurier.at – Kultur

      

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