„Die Zauberflöte“ in St. Margarethen: Nee, det is echt keen Krippenspiel

Kultur

Die Kritik zu Wolfgang Amadeus Mozarts Klassiker im Römersteinbruch.

Das Beste vorweg: Im Römersteinbruch im burgenländischen St. Margarethen wird wieder Oper gespielt. Nach teils sehr heftigen (auch politisch motivierten) Querelen, einem Jahr Pause und unter dem neuen künstlerischen Leiter Daniel Serafin ist der Steinbruch wieder voll im Rennen um die Gunst des Open-Air-Publikums.

Und das mit einem absoluten Klassiker. Mit Mozarts „Zauberflöte“, die in St. Margarethen allerdings besser „Papageno“ heißen sollte.

Denn auf diesen hübsch gefiederten Freund – im Steinbruch fängt er zwar keine Vögel, sondern klaut nur die Eier aus dem Vogelnest – ist alles hingesteuert. Papageno hier, Papageno da, möchte man fast sagen. Und dieser Papageno („Ich bin der Geno,der Papa, Geno“) löst diese Versprechen allesamt ein.

Ach, Karsten

Max Simonischek, der Sohn von Peter Simonischek und wirklich exzellente Schauspieler, hat diese Rolle in der Regie seines Schauspielerkollegen Cornelius Obonya und dessen Frau Carolin Pienkos übernommen. Und Max Simonischek macht das richtig gut. Natürlich, er ist kein Sänger. Das muss bei dieser Rolle nicht sein. So kommt etwa bei der mit sehr viel Selbstironie vorgetragenen Arie „Der Vogelfänger bin ich ja“ ein an den Dirigenten adressiertes „Ach, Karsten!“ – Papageno will sich doch auch mal erklären und muss nicht zu Ende singen.

Ach, Mädels

Denn es geht sehr flapsig, sehr plattdeutsch zu, bei dieser optisch ansprechenden „Zauberflöte“. „Mädels, ihr seid aber schick“, wird Papageno einmal zu den Drei Damen der Königin der Nacht sagen. Oder: „Das ist keine Oper im Steinbruch, das ist ein Krippenspiel in der Wüste.“ Damit hat er nicht unrecht, denn diese „Zauberflöte“ hat etwas von einem Krippenspiel. Allerdings in einer guten Reader’s-Digest-Version, die nur unter der extrem ausgestellten politischen Korrektheit zu leiden hat.

Oper im Steinbruch/Armin BardelAch, Menschenrechte

Diese ist in Raimund Bauers sehr attraktivem Kugel-Wolken-Bühnenbild leider zu oft zu erleben: Denn Obonya und Pienkos geht es um die Menschenrechte, um die Gleichberechtigung zwischen Frau und Mann. Diese Erklärungen werden mittels Projektionen eingeblendet.

Am Ende fährt die Königin der Nacht nicht zur Hölle, sondern gibt Sarastro ihre Hand. Tamino und Pamina werden wie auch Papageno und Papagena (logisch) ein Paar – alles ist gut!

Ja, dank der wunderschönen Kostüme (Gianluca Falasci), der guten Choreografie (Kati Farkas) und der bereits erwähnt pompösen Ausstattung funktioniert dieser Mozart im Steinbruch sehr gut. Auch via ORF III konnte man sich davon ein Bild machen.

Ach, Mozart

Womit wir endgültig bei der musikalischen Seite wären. Im Orchestergraben hat Dirigent („Ach, Karsten“) Januschke das Sagen, und das macht er am Pult des Orchesters der Budapester Philharmonischen Gesellschaft äußerst gut. Karsten Januscke stellt dem übertriebenen Getue einen feingliedrigen, austarierten Klang gegenüber, der nicht nur dem wackeren Philharmonia Chor Wien zugutekommt. Hier zeigt sich – trotz noch ausbaufähiger Tonanlage –, was mit Mozart auch in einem Steinbruch alles möglich wäre.

Oper im Steinbruch/Armin BardelAch, Monostatos

Die Sänger sind dem Steinbruch sehr gewachsen. Max Simonischek ist ein guter Einzelfall – seine Cover-Besetzung übrigens ein gelernter Sänger. Aber: Tenor Attilio Glaser gibt einen sicheren, sympathischen Prinzen Tamino, seine Pamina ist bei Ana Maria Labin in besten vokalen Händen. In St. Margarethen wird bekanntlich alterniert. So darf sich das Publikum …read more

Source:: Kurier.at – Kultur

      

(Visited 14 times, 2 visits today)

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.