Drei Schwestern erinnern sich an das Essen von Erdnussflips

Kultur

„Muttertier“ von Leonie Lorena Wyss: Die Uraufführung im Burgtheater-Vestibül machte mehr aus dem Text

Von: Susanne Zobl

Drei Schwestern reflektieren den Zustand der Mutter. Diese liegt im Koma, eine Überdosis Schlaftabletten, Lebensüberdruss, psychische Störungen. Das ist der Ausgangspunkt des Stücks „Muttertier“ von Leonie Lorena Wyss, das 2023 mit dem Retzhofer Dramapreis ausgezeichnet wurde. Die Ausschreibung richtetet sich an „Einsteiger:innen im Bereich Szenisches Schreiben“. Seit 2015 werden die Preisträgerstücke an einer Spielstätte des Burgtheaters zur Uraufführung gebracht.

Die Produktion von „Muttertier“ mutet im Vestibül in der Schiene „Burgtheaterstudio“ für ein Publikum ab 15 wie die Lösung einer schwierigen Hausübung an, für die Mia Contstantine und die Schauspielerinnen ein „Sehr Gut“ verdienen. Denn die Regisseurin holt mit ihrer auf die Personen konzentrierten Inszenierung auf der ansehnlichen, hauptsächlich neon-gelbgrün ausgeleuchteten Bühne von Johann Brigitte Schirma mehr aus dem Text, als er zu bieten hat. Er hat zwar Potenzial, das aber reicht nicht für 90 Minuten.

Das Problem ist das Changieren zwischen Tragödie und Zustandsbeschreibungen. Geschrieben ist der Text „für drei Geschwisterstimmen“. Aber warum nicht für drei Schwestern? Denn der Text lässt keinen Zweifel daran, dass die Figuren weiblich sind, konkret Töchter und ihre alleinerziehende Mutter.

Die drei sprechen immer wieder im Chor. Über weite Strecken hat man den Eindruck, Wyss versucht, sich an Elfriede Jelinek zu orientieren. Das andere Problem ist der Mangel an Inhalt. Immer wieder werden Passagen wiederholt, etwa, wie sich die Schwestern daran erinnern, dass sie als Kinder Szenen aus „Titanic“ nachgestellt haben. Das war ihre Zuflucht, als die Mutter in Depressionen versank. Oder wie sie Erdnussflips verzehrt, sich danach gesehnt haben, mit der Mutter ein Hallenbad zu besuchen.

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Imaginierte Welten

Dass sich die Langeweile in Grenzen hält, liegt an Laura Dittmann, die heuer ihren Abschluss am Reinhardt-Seminar macht, Claudia Kainberger und Lara Sienczak, die sich mit einer Selbstverständlichkeit in kleine, naive Mädchen wandeln, wenn sie aus der Kindheit erzählen. Sie lassen die Atmosphäre eines Schiffsdecks aufkommen, wenn sie ähnlich wie Kate Winslet die Arme ausbreiten und sich in imaginierten Wellen wiegen. Und Lara Sienczak beeindruckt, wenn sie minutenlang das Wort „Verräterin“ wie in einer Endlosschleife wiederholt. Bravos für alle Beteiligten. SUSANNE ZOBL

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Source:: Kurier.at – Kultur

      

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