Ein Universalkünstler und die Moderne in der „Sammlung Schedlmayer“

Kultur

Eine neue Ausstellung im Leopold Museum zeigt Exponate des Designers Otto Prutscher und expressionistische Gemälde

Eine Villa in Baden. Bis vor Kurzem noch voll mit Kunstschätzen. Für das Leopold Museum, das heuer sein

20-Jahr-Jubiläum feiert, „eine Entdeckung“.

Was das Ehepaar Hermi (1941–2018) und Fritz Schedlmayer (1939–2013) zusammengetragen hat, ist der Anfang für „eine spannende Reise durch Wien um 1900 und die ersten Jahrzehnte des 20. Jahrhunderts“, sagt Hans-Peter Wipplinger.

Ideal zu „Wien um 1900“

Die aktuelle Ausstellung „Die Sammlung Schedlmayer. Eine Entdeckung!“ (bis 20. Februar) „erweitert einerseits das Kaleidoskop ‚Wien um 1900‘, das Kernstück der Sammlung Leopold“, so der Museumsdirektor, „andererseits wird durch den Exkurs in den deutschen Expressionismus auch eine Brücke zu den Affinitäten des Sammlers Rudolf Leopold geschlagen.“

Der Zufall wollte es, dass das Sammlerpaar Schedlmayer 1989 in die Villa Rothberger (Baujahr 1903) in Baden zog, die der Architekt Otto Prutscher (1880–1949) bereits 1912 umbaute und neu gestaltete.

Villa mit Geschichte

Ursprünglich vom Besitzer eines großen Textilkaufhauses am Stephansplatz 9–11 errichtet, hat es die Leichtigkeit oder legere Eleganz mancher englischer Landhäuser, wie eine Art Home Story am Beginn der Schau zeigt.

Darüber hinaus war Otto Prutscher ein vielseitiger Designer und überaus erfolgreich als Gestalter u. a. von Möbeln, Keramiken, Gläsern, Textilien, Lederfauteuils, Kerzenleuchtern, Metall- und Silberarbeiten, Tafelbesteck und Schmuck.

Vieles davon wird jetzt im Leopold Museum (bis 20. 2. 2022) erstmals öffentlich präsentiert. „Prutscher war nicht der Beethoven oder Mahler des Designs, aber er war der Johann Strauß unter den Kunsthandwerkern“, zitierte Hermi Schedlmayer im KURIER-Gespräch 2015 den Schriftsteller Joseph August Lux.

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Leopold Museum/Manfred Thumberger

Er sei ein „Regisseur der Sinnlichkeit“ und vor dem Krieg als der führende Kunstgewerbetreibende Wiens am Anfang des 20. Jahrhunderts sogar so bekannt wie Josef Hoffmann gewesen. Geriet allerdings danach fast in Vergessenheit.

Die Wiederentdeckung in der öffentlichen Wahrnehmung dauerte: Nach einer großzügigen Schenkung der Familie Schedlmayer an das Museum für angewandte Kunst (MAK) war dort 2019 unter dem Titel „Allgestalter der Wiener Moderne“ eine Personale Prutschers zu sehen.

Hermi Schedlmayer bewunderte vor allem dessen profunde Materialkenntnis: „Er konnte wie kein anderer mit den verschiedensten Materialien umgehen. Die Funktion war ihm mit der Optik immer wichtig.“

Zu Holz, wie sich an diversen Sessel-Entwürfen zeigte, hatte er – u. a. ein Berater für Thonet – ein „geradezu erotisches Verhältnis“, sagt auch Kurator Ivan Ristić. Und „durch seine stilistische Flexibilität“ war er „omnipräsent im Wiener Leben.“

Lepold Museum/Manfred TumbergerBildende Kunst

Bislang weitgehend unbekannt waren hingegen die zahlreichen Gemälde und Arbeiten auf Papier der Sammlung Schedlmayer, etwa Bilder der österreichischen Moderne u. a. von Jean Egger, Anton Kolig, Franz Wiegele, ein „Damenbildnis“ von Anton Faistauer, zwei Akte von Alfons Walde und zwei Porträts von Broncia Koller-Pinell.

Außerdem werden Werke des deutschen Expressionismus gezeigt, u. a. von Christian Rohlfs, Max Pechstein oder Ernst Ludwig Kirchner.

Von großer Intensität: das „Porträt von Cornelia“, einem lächelnden und doch unnahbaren Mädchen von Karl Hofer. Akribisch ausgeführt: eine „Straßenszene in New York“ (um 1933) von George Grosz. Verrätselt wirkt hingegen mitten unter den insgesamt 220 Exponaten das Aquarell „Blaues Pferd“ (1919) von Heinrich Campendonk.

Aber: „Nicht alles in der Kunst lässt sich genau erklären“, so Ristić. „Ich bin für Geheimnisse.“

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Source:: Kurier.at – Kultur

      

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