Ex-KURIER-Chefredakteur gestorben: Günther Wessig 1930 – 2024

Kultur

Der KURIER trauert um eines seiner Urgesteine. Unter Günther Wessig wurde die Zeitungsproduktion auf ein elektronisches System umgestellt.

Laut wurde er nie. Durchgesetzt hat er sich aber trotzdem. Denn ein scharfer Blick durch die schwarze Hornbrille brachte selbst widerborstige Redakteure zum Verstummen. Gleich ob Dr. Günther Wessig als Sonntags-Chef, als Chef vom Dienst oder später auch als Chefredakteur (1986 bis1988) die Geschicke des Blattes lenkte. 

Der „Doktor“, wie er liebevoll,  aber auch respektvoll genannt wurde, war KURIER-Urgestein und immer präsent. Von morgens bis abends und wenn es sein musste, auch bis tief in die Nacht hinein. Der „Doktor“ war da. Stets korrekt mit maßgefertigtem Anzug, Weste und Krawatte bekleidet. Manche behaupteten sogar, er hätte einen Zweitwohnsitz im Verlagsgebäude. Was natürlich ein Gerücht war. Frei genommen hat er sich jedenfalls, nur wenn sein Hund krank war und zum Tierarzt gebracht werden musste, oder als er wegen eines Bandscheibenvorfalls operiert wurde. Aber auch da war er ein paar Tage nach der Operation – zum Staunen aller – wieder im Dienst.

Leidenschaften

Seine heimliche Leidenschaft galt freilich dem Sport, konkret dem Fußball. Schrieb er doch lange Zeit für den Rundfunk den „Kommentar zur Runde“. Dass er in diesem Zusammenhang auch forderte „Spieler xy muss raus aus dem Team“ und der Teamchef partout nicht folgen wollte, sorgte bei Sport-Kollegen für manch liebevolle Stichelei, die er aber kommentarlos wegsteckte. Große Auftritte waren überhaupt nicht Günther Wessigs Sache. Da schickte er lieber Kollegen vor, ließ sich berichten und werkte im Hintergrund. Oder er setzte sich in seinen Oldtimer, einen PS-starken Ford Mustang und drehte ein Runde um Wien.

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Kurier/Schaffer Hans Peter

Redaktionskonferenz im KURIER: In der Mitte Chefredakteur Franz-Ferdinand Wolf, links von ihm Herbert Gartner und Günther Wessig

Produkt an erster Stelle

Als er schließlich 1988 als Chefredakteur abgelöst wurde, arbeitete er bis zu seiner Pensionierung mit dem jeweils neuen Chef (zunächst Franz-Ferdinand Wolf, dann Peter Rabl) loyal zusammen. Kommentarlos, so als sei nichts passiert. Denn für ihn war das Produkt wichtig und erst an zweiter Stelle kamen die Macher.

Günther Wessig war federführend bei der Umstellung des KURIER von Bleisatz zum Lichtsatz, bei der Implantation des ersten Redaktionssystems und in seiner Zeit als Chefredakteur des Sonntag-KURIER erreichte das Blatt die magische Grenze von mehr als einer Million Leser. 

Am Ostermontag, dem 1. April, ist Günther Wessig im Kreise seiner Familie ruhig eingeschlafen. Er wurde 94 Jahre alt.

Herbert Gartner, ehemals stv. Chefredakteur des KURIER, arbeitete mit Günther Wessig viele Jahre lang eng zusammen

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Source:: Kurier.at – Kultur

      

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