Festival „steirischer herbst“: Wenn die Kunst Auswege bietet

Kultur

Der steirische herbst sucht „The Way Out“: Er interveniert im öffentlichen Raum – und erinnert auch an glorreiche Zeiten

Wenn ein Festival in Zeiten der Pandemie schon Monate in Vorhinein durchgeplant sein muss, liegt der Ausweg nahe, den der steirische herbst heuer beschritt: Er nimmt „The Way Out“ – und findet vornehmlich im öffentlichen Raum statt.

Er besinnt sich damit auf seine Tugenden. Denn gerade im öffentlichen Raum vermochte der herbst, 1967 gegründet, für Erregung zu sorgen. Etwa mit Plakaten von Karl Neubacher – oder 1988 mit dem von Hans Haacke rekonstruierten NS-Obelisken „Und Ihr habt doch gesiegt“.

Der herbst gab also zehn Plakate in Auftrag. Bei Hans Haacke oder Rosemarie Trockel. Die meisten vermögen sich aber leider nicht gegen die Konkurrenz – die Wahlplakate (am 26. 9. wird in Graz gewählt) und die Konsumwerbung – zu behaupten. Piotr Szyhalski drehte zudem mit seinem Scherenschnitt „The Way Out Is the Way In“ den Spieß um.

Horst Gerhard Haberl, Intendant der 1990er-Jahre, verwendete ein Sujet aus den 70ern, als er mit anderen die Zeitschrift Pfirsich herausgab. Damals war er für die radikale Humanic-Werbung verantwortlich („Franz“ erlebt gerade ein Revival!). Und Roland Goeschl brachte sein Werk, basierend auf den Farben rot, gelb und blau, ein.

Wie eine – sehr geglückte – Reminiszenz an Goeschl wirken die diesjährigen Merchandising-Artikel und Drucksorten. Intendantin Ekaterina Degot verpflichtete für das Corporate Design wieder das slowenische Kollektiv Grupa Ee. Zusammen mit Peter Schloss gestaltete dieses auch das Besucherzentrum in einer ehemaligen dm-Filiale. Das „All-Over-Gemälde“ knallt echt ins Auge.

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Die direkte Konfrontation mit den Menschen suchen bis 10. Oktober u. a. Thomas Hirschhorn mit seinem „Simone Weil Memorial“, das am Esperantoplatz eine nicht so tolle Skulptur zum Verschwinden bringt, und Paul B. Preciado mit einer Postwurfsendung. Noch heute bis Sonnenuntergang kann man in der Augartenbucht sonderbare Vorgänge, choreografiert von Tino Sehgal, beobachten: Die Akteure schmusen in Zeitlupe, versammeln sich zum Flash Mop – und erzählen den Passanten kleine, denkwürdige Erlebnisse.

Thomas Trenkler

Manche sind unbeeindruckt: sonderbare Vorgänge, choreografiert von Tino Sehgal, in der Augartenbucht

Höhepunkte des nächsten Wochenendes sind Hito Steyerl und Tatort-Kommissar Mark Waschke sowie Reverend Billy and the Church of Stop Shopping.

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Source:: Kurier.at – Kultur

      

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