Filmfestival in Cannes: Protestverbot und Tränen

Kultur

Das Filmfestival in Cannes eröffnete mit der Ehrenpalme für Mery Streep und einer Komödie von Quentin Dupieux

Tränenreich wurden die 77. Filmfestspiele in Cannes eröffnet. Praktisch alle auf der Bühne der Gala-Show weinten vor Rührung – von der Jury-Präsidentin Greta Gerwig angefangen, bis hin zur Empfängerin der Goldenen Ehrenpalme, Meryl Streep. Dazwischen hielt Juliette Binoche eine Lobrede auf die amerikanische Schauspielerin, bei der sie sich selbst zum Weinen brachte. Und natürlich schwammen auch Meryl Streeps Augen unter Wasser, als minutenlang die Standing Ovations des Premierenpublikums auf sie herabregneten.

Ab da konnte es nur noch lustiger werden:

Zur Eröffnung hatte sich Cannes-Chef Thierry Frémaux, das neue Werk von Quentin Dupieux, den Spaßvogel unter den französischen Filmemachern ausgesucht. Der Musiker und Regisseur präsentierte mit „Der Zweite Akt“ eine schräge Komödie mit französischem Staraufgebot und sorgte für (sporadisches) Gelächter. Louis Garrel, Léa Seydoux und Vincent Landon spielen Schauspieler, die Schauspieler mitten in den Dreharbeiten zu einem zweitklassigen Film spielen. Garrel tritt als Typ auf, der seine anhängliche Freundin (Léa Seydoux) an einen Freund abtreten will. Dieser ist misstrauisch: „Ist sie hässlich?“ Vincent Lindon wiederum verkörpert den Vater von Seydoux und regt sich zwischendurch über die Sinnlosigkeit der Schauspielerei auf. Als er allerdings einen Anruf von seinem Agenten bekommt, der ihm eine Rolle bei dem US-Regisseur Paul Thomas Anderson in Aussicht stellt, ist er plötzlich wieder Feuer und Flamme.

Den Vogel schießt schließlich ein Statist in dem Film ab, dessen Aufgabe lediglich darin besteht, Rotwein in vier Gläser zu gießen, aber mit zitternder Hand den Tisch versaut.

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Fetival de Cannes

Louis Garrel und Vincent Lindon in Quentin Dupieuxs „Der Zweite Akt“

Die angestrebte Komik entsteht auf mehreren Meta-Ebenen, die Dupieux in seiner Komödie einzieht. Die Sturz der Schauspieler aus ihren Rollen provoziert Selbstentblödung, politisch unkorrekte Reden und scheinheilige Toleranz („Vorsicht, sonst werden wir gecancelt!“). Wiederholt schlägt Dupieux in seinem Film-im-Film überraschende Volten, prangert die Abgründigkeit des Filmemachens an und zieht dabei dem Publikum den Boden unter den Füßen weg. Seine (selbst-)ironische Erzählweise provoziert zwar immer wieder Pointen, die manchmal mehr, manchmal weniger zünden, verschleiert aber geschickt die eigene Haltung des Regisseurs.

Protestverbot

Eindeutige Positionen hingegen bezieht heuer die Führung des Festivals in Cannes. Während vor zwei Jahren beispielsweise noch der ukrainische Präsident Selenskij bei der Eröffnung live zugeschaltet wurde, sind heuer alle Formen von politischem Aktivismus rund um die Festivalkinos verboten. Weder darf Selenskij auftreten, noch werden Proteste gegen den Gaza-Krieg gestattet. Selbst das Tragen von politischen Ansteckern – sei es, um die Unterstützung mit der palästinensischen Bevölkerung zu signalisieren, sei es, um sich mit israelischen Geiseln zu solidarisieren – sind untersagt: „Wir wollen das heurige Festival frei von Polemik halten und sicherstellen, dass die Aufmerksamkeit dem Kino gilt“, verkündete Thierry Frémaux.

Ob sich die Kontroversen rund um die schwelenden MeToo-Debatte innerhalb der französischen Filmindustrie an diese Vorgabe halten werden, bleibt abzuwarten. In jedem Fall wurden bereits Enthüllungen von missbräuchlichem Verhalten innerhalb der Branche angekündigt.

Abschied von der Welt

Ganz dem Kino hingegen widmete sich der berührende Film der mittlerweile verstorbenen Filmemacherin Sophie Fillieres: Die Regisseurin konnte ihre traurige Komödie „This Life of Mine“ nicht mehr …read more

Source:: Kurier.at – Kultur

      

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