Filmkritik zu „Sterben“: Eiertanz zwischen Karriere und schlechtem Gewissen

Kultur

Radikal-Familiendrama von Matthias Glasner mit krassen Wendungen und Lars Eidinger als gestresstem Dirigenten

Die radikale Familienaufstellung von Matthias Glasner – beim Deutschen Filmpreis gerade vier Mal ausgezeichnet – dauert drei Stunden. Aber eines kann man „Sterben“ nicht vorwerfen: Es wird nie langweilig; dafür ist das Schauspiel einfach zu gut.

Alles dreht sich um einen sterbenden Vater, eine inkontinente Mutter und zwei haltlose, erwachsene Kinder. Sohn Tom, unwiderstehlich (und manchmal eitel) gespielt von Lars Eidinger, ist Dirigent und studiert ein Stück namens „Sterben“ ein. Dazwischen kümmert er sich um seine Ex-Freundin und hält die kranke Mutter und den dementen Vater auf Armlänge. Der Eiertanz zwischen Karrierestress, Privatleben und schlechten Gewissen wird von Glasner anfänglich souverän ausbalanciert und pendelt zwischen Alltagskomik und Schicksalsschwere.

Polyfilm

Krasse Mutter-Sohn-Beziehung: Corinna Harfouch und Lars Eidinger in „Sterben“

Doch dann erzählt die Mutter (Corinna Harfouch) ihrem Sohn Tom, dass sie ihn nie geliebt hat. Ab da wirds krass. Den dritten Akt seiner überhitzten Beziehungsdiagnose widmet Glasner der Tochter des Hauses, exzessiv gespielt von Lilith Stangenberg als Alkoholikerin namens Ellen.

An dieser Stelle entgleist Glasners Drama ins Groteske und findet nicht mehr zurück in die Spur des ernst zu nehmenden Erzählens. 

INFO: D 2024. 183 Min. Von Matthias Glasner. Mit Lars Eidinger, Corinna Harfouch.

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Source:: Kurier.at – Kultur

      

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