Gerhard Zeiler: Regierung soll Inseratengelder in Medienförderung stecken

Kultur
ÖSTERREICHISCHE MEDIENTAGE 2022: EDTSTADLER

Der Medienmanager plädierte beim Start der Österreichischen Medientage zudem für mehr Kooperation des ORF mit anderen Medien. An einer Haushaltsabgabe führe kein Weg vorbei.

* Dieser Artikel wird laufend aktualisiert *

Mit einer optimistischen Grundstimmung wurden die 29. Österreichischen Medientage des Manstein Verlages heute in Wien eröffnet.

Ausnehmen davon kann man Europa- und Verfassungsministerin Karoline Edtstadler (ÖVP), die in ihrer Keynote von „Sand im Getriebe unserer Republik“ sprach und einen Vertrauensverlust in Politik und Medien ortete – mit ausgelöst durch aus ihrer Sicht ungerechtfertigte Chat-Veröffentlichungen. Journalisten würden ihre wichtige Kontrollfunktion zum Teil mit einer Funktion als Richterinnen und Richter verwechseln, die einer anderen Gewalt im Staate, der Judikative, zustehe, mahnte Edtstadler. 

Die Sanktionen gegen Russland bezeichnete sie als „alternativlos“ und „scharfe, aber auch gelindeste Reaktion“ auf den Völkerrechtsbruch Russlands. Die Treffsicherheit der Maßnahmen müsse man aber evaluieren. „Wir müssen durchhalten“, so Edtstadler. Denn es stünden nicht weniger als die „Grundprinzipien der zukünftigen Sicherheitsordnung“ am Spiel. Wichtig sei es, in diesen Zeiten vertrauensvoll zusammenzuarbeiten. Ein starker und pluralistischer Medienstandort sei von „unfassbarem Wert“ für das Zusammenleben in Österreich.

APA/FLORIAN WIESER / FLORIAN WIESERKeine Regierungsinserate, dafür mehr Medienförderung

Im nachfolgenden ersten Podiumsgespräch zeichneten Medienmanager Gerhard Zeiler (President International Warner Bros. Discovery) und Staatsoperndirektor Bogdan Roščić hingegen ein positives Bild der heimischen Medienlandschaft. In Relation zu der Kleinheit des Landes habe man ausreichend Qualitätszeitungen, sagten beide übereinstimmend. Hier zog man auch einen Vergleich zu den USA und Deutschland.

Zeiler plädierte im Sinne der Beibehaltung der Medienvielfalt dafür, Inseratengelder der Politik in eine geregelte Medienförderung zu stecken. Dabei den Boulevard möglicherweise geringer zu berücksichtigen, verlange Mut. Roščić fügte hinzu, dass es auch den politischen Willen dafür brauche. Zeiler attestierte Medienministerin Susanne Raab (ÖVP) zwar, medienpolitische Schritte setzen zu wollen. Doch traue sie sich offenbar angesichts unterschiedlicher Marktinteressen, keine Entscheidung zu treffen.

  Alternativer Nobelpreis an ukrainische Menschenrechtsaktivistin

APA/FLORIAN WIESER / FLORIAN WIESER

In Hinblick auf den ORF, den Zeiler als „Riesen“ bezeichnete, stehen mehrere politische Entscheidungen an. Einerseits ist nach einem Urteil des Verfassungsgerichtshof (VfGH) die Streaminglücke bei den GIS-Gebühren zu schließen. An einer Haushaltsabgabe wie es sie bereits in Deutschland oder der Schweiz gibt, führe „kein Weg vorbei“, so Zeiler. Vielleicht werde man sie aber anders nennen.

Blaue Seite und Wrabetz

Auch pocht das öffentliche-rechtliche Medienhaus auf mehr digitale Möglichkeiten. Verleger fürchten angesichts der Dominanz des ORF und der „blauen Seite“, dass weitere Möglichkeiten für den ORF sie hart treffen könnten. Speziell um orf.at – die „blaue Seite“ – wird gerungen. „Die ‚blaue Seite‘ aufzulassen, macht keinen Sinn“, so Zeiler. Aber zu schauen, wie man Zeitungen einbinden und im Werbebereich zusammenarbeiten könnte, sei dennoch geboten, so der ehemalige ORF-Generaldirektor. Seinem Nachfolger, er meinte damit Alexander Wrabetz, habe er dies „vor fünf, sechs Jahren schon vorgeschlagen“, dieser habe dies „aber nicht für notwendig befunden, als er Generaldirektor war“. Zeiler bezog sich dabei auf aktuelle auch im KURIER geäußerte Vorschläge Wrabetz’, auch die Verleger in der ORF.at-Frage einzubinden.

Grundprinzipien für ORF

Er formulierte fünf Grundprinzipien für einen öffentlich-rechtlichen Rundfunk. Unabhängige Berichterstattung, die er bei allen Vorwürfen „sehr gut“ mache. Österreich müsse Hauptziel der Berichterstattung sein. Drittens müsse, wenn alle mitzahlen, auch für alle etwas angeboten …read more

Source:: Kurier.at – Kultur

      

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