Heimo Zobernig im mumok: Gipswände, Glitzersteine und trockener Schmäh

Kultur

Heimo Zobernigs Museumsschau – bis 17. Oktober im mumok – macht es dem Publikum vorderhand nicht leicht, aber es funktioniert

Auf die Idee, ein Billy-Regal von IKEA zu teeren und zu federn, muss man auch erst einmal kommen.

Und während man bei der ersten Konfrontation noch leicht überfordert das Weite gesucht hat, steht man nun davor und denkt sich:

Dass er schon auch einen guten Schmäh hat, der Heimo Zobernig. Und dass es vielleicht am besten wäre, seiner Kunst mit einem Lachen zu begegnen.

Österreichs Konzeptkunst-Hero, Akademieprofessor für Bildhauerei, Biennale-Vertreter Österreichs anno 2015 und auch sonst vielfach hoch dekoriert, macht es seinem Publikum – im konkreten Fall: Ihrem Rezensenten – nicht immer leicht.

Liebesentzug

Manchmal sind Zobernigs Werke, die unentwegt mit dem Kunstraum spielen und keine Grenze ziehen zwischen Skulptur, Malerei und Möbeln, Kuben, Bühnenelementen und anderen sogenannten „Displays“, ein bisschen schwer zu ertragen:

Überall lauert der Verdacht, man könnte einen wesentlichen Querbezug verschlafen. Und weil so ziemlich alles, was Zobernig tut, sich auf etwas Anderes bezieht, könnte das fatal enden, mit dem (temporären?) Ausschluss aus dem Betriebssystem Kunst und dem Liebesentzug aller Eingeweihten.

Georg Petermichl/mumok

Die aktuelle Ausstellung im mumok – eine Art Update nach der Retrospektive im Jahr 2002/’03, bei der Zobernig sich mit dem Einbau eines weiß gekalkten Durchgangs dauerhaft ins mumok-Stiegenhaus einschrieb – kommt aber doch dem Bedürfnis entgegen, ein bisschen mehr Wurschtigkeit an den Tag zu legen. Und Zobernig leichtfüßig zu begegnen.

Neben dem eingangs erwähnten Billy-Regal (einer aus einer Reihe von Skulpturen, die mit dem IKEA-Format spielen) liegt das auch an der guten Balance, die Zobernig zwischen malerischen Elementen, Skulpturen und dem Raumarrangement gelingt.

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Die hohen Gipswände, die Bohrlöcher und Lücken räudig zur Schau stellen, zirkeln da einmal einen Raum ab, in dem ein Schachbrettmuster alles dominiert. An der Wand, aber auch als Kuscheldecke, die auf Bühnenelemente drapiert ist.

Woanders sind die Wände ganz mit Malerei gefüllt – die strengen Variationen des Schriftzugs „Real Egal“ kennt man schon, daneben ist wild Anmutendes und: eine Leinwand mit Glitzersteinchen. Ach wie schön.

Stil-Skepsis

Zobernig ist ein Chamäleon, nimmt sich, was er braucht, die Skepsis gegenüber dem, was man „Stil“ nennt, durchzieht alles.

Und so sind auch jene Bilder, die wirken, als seien sie in einem abstrakt-gestischen Furor gemalt, stets das Produkt von Abklebungen, Schichtungen, Übermalungen.

Ein Herzstück der mumok-Schau sind langgestreckte Gemälde. Sie wirken ein bisschen so, als hätte der Künstler Monets Seerosenbil-der mithilfe von Post-it-Zettelchen zu imitieren versucht.

Was aber dabei wichtig ist: Es funktioniert!

Georg Petermichl/mumok

Als Gesamtkunstwerk, als Ausstellung, als Raum, in dem man sich zugleich sehr schlau und überwältigt fühlen darf.

Wie gesagt, Zobernig macht es einem nicht immer leicht. Man darf ihn aber auch mal leicht nehmen. Und dann den sehr ausführlichen Katalog studieren, der einen tollen Überblick über sein jüngeres Werk gibt.

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Source:: Kurier.at – Kultur

      

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