Im Eck: Warum Kunsthalle Wien und mumok einen Neustart brauchen

Kultur

Braucht es die zwei Wiener Kunstinstitutionen, in denen demnächst neue Leiterinnen antreten, überhaupt noch?

„Revolution Now!“: Der wohlig-aufrührende Leitspruch der Wiener Festwochen ziert auch jene Ecke des Wiener Museumsquartiers, in die sich abseits von einzelnen Aufführungen derzeit nur wenige verirren: Denn dass es hier auch Kunst zu sehen gibt, ist für Uneingeweihte nicht wirklich ersichtlich. Und weil das über die Treppe nebenan zu erreichende mumok seit Monaten geschlossen hat, geht die Frequenz jener, die wegen bildender Kunst hierherkommen, gegen Null – mit Auswirkungen auf den gesamten Kulturbezirk, der nicht nur von Events lebt: Auch das Leopold-Museum nebenan spürt es, wenn interessiertes Publikum ausbleibt.

Eine Revolution muss hier dringend stattfinden – und die neuen Führungspersönlichkeiten, die demnächst die städtische Kunsthalle und das zu den Bundesmuseen zählende mumok übernehmen, sollten am besten einen Defibrillator mitbringen. Denn allein mit Ansagen über den Wunsch zum „Brückenbau“ (die designierte Kunsthallen-Chefin Michelle Cotton, die ihr Amt im Juni antritt) und „Großzügigkeit, Offenheit und Wärme“ (ihre Kollegin Fatima Hellberg startet im Jänner 2025 im mumok) werden sich die Patienten nicht beleben lassen.

Das Siechtum der beiden Institutionen, die eigentlich als Leitsterne der Gegenwartskunst in Wien fungieren sollten, hat freilich tiefe Wurzeln. Nach Eröffnung des MQ 2001 verbrachten deren einstige Chefs erhebliche Teile der Nullerjahre mit dem Lamentieren: Zu wenig Sichtbarkeit bemängelte der langjährige Kunsthallen-Chef Gerald Matt, zu wenig Platz der mumok-Chef Edelbert Köb, der gern auch die Flächen der Kunsthalle übernommen hätte. Mit dem Abgang der beiden (2010 bzw. 2012) verstummte die der Kulturpolitik längst lästige Debatte, ohne dass das dahinterliegende Problem einer Lösung zugeführt worden wäre. 

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mumok-Chefin Karola Kraus fuhr für einige Jahre ein durchaus ambitioniertes Programm, auch wenn sie sich ständig mit Vorwürfen mangelnden Publikumszuspruchs herumschlagen musste. Dieselben Vorwürfe klebten am Schuh der Kunsthalle, die sich bereits unter ihrem Chef Nicolaus Schafhausen (2012 – 2019) gegenüber einer breiteren Öffentlichkeit einzuigeln begann. Das aktuelle Leitungstrio WHW war verständlicherweise frustriert, als es 2022 nicht nochmals bestellt wurde: Die Jury hatte erklärt, „dass keines der eingereichten Konzepte hinreichend für eine weitere, zukünftige Periode der Kunsthalle überzeugen konnte“ – auch das Konzept von WHW war durchgefallen.

Die Luft ist draußen

Spätestens ab diesem Punkt war, wie man so sagt, die Luft draußen, und zwar in beiden Häusern. Karola Kraus brachte noch ein schönes Projekt über die vergessene Künstlerin Elisabeth Wild an den Start, ließ sonst aber ihr Kuratorenteam nur mäßig inspirierte Sammlungsausstellungen und kleine Solo-Präsentationen aufstellen. Die von einer Großgalerie orchestrierte Schau des Newcomers Adam Pendleton, der 2023 ein ganzes Stockwerk für ein dreiviertel Jahr (!) geopfert wurde, ließ sich nur noch als Eingeständnis von Lust- oder Ideenlosigkeit lesen. Es folgte die angeblich dringend nötige Schließung zu Sanierungszwecken, die zweite in 14 Jahren – kommende Woche will man die Presse über die Fortschritte informieren, am 6. 6. wird wieder aufgesperrt. 

Die NachbarinnenWHW schafften es zuletzt immerhin, mit Sanja Iveković, Laure Prouvost oder Katrina Daschner würdige Künstlerinnen auszustellen. Die jüngste Ausstellung – ja, die Kunsthalle ist in Betrieb! – wurde aber kommunikativ versenkt. 

Genau an dem Tag nämlich, als das neue …read more

Source:: Kurier.at – Kultur

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