„Jedermann“ bei den Salzburger Festspielen: Überzeugender denn je

Kultur

Der neue Salzburger Jedermann mit Lars Eidinger und Verena Altenberger begeisterte das Premierenpublikum. So zeitlos und packend wurde die Geschichte vom Sterben noch nie erzählt.

Höhepunkt dieses an starken Momenten reichen Abends ist jene Szene, in der die Buhlschaft von Jedermann Abschied nimmt. Sie liebt ihn von Herzen, aber noch mehr liebt sie das Leben. In den Tod folgen wird sie ihm nicht, aber es fällt ihr schwer, sehr schwer, ihn sterbend zurückzulassen.

APA/BARBARA GINDLWortloser Kampf

Regisseur Michael Sturminger hat in seiner Fassung in dieser Szene jeden Text gestrichen. Jedermann und Buhlschaft tanzen miteinander, oder ist es ein Kampf? In einer Mischung aus Sexualakt, versuchter Vergewaltigung, Ringkampf und Totentanz fallen sie übereinander her, man sieht, sie können voneinander nicht lassen, und müssen doch.

Das ist von Jedermann Lars Eidiger und Buhlschaft Verena Altenberger so gut gespielt, dass man kaum wagt, zu atmen.

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In der Tat hat der Autor dieser Zeilen in 30 Jahren noch nie einen Jedermann erlebt, der seinem eigenen Leben so nahe kommt, der so wenig ein Salzburger Touristenritual ist und so sehr ein von uns allen erzählendes Theaterstück.

Märchen vom Sterben

Michael Sturminger gelingt dies, indem er die bis ins Mittelalter zurück zu verfolgende Bekehrungs- und Belehrungsgeschichte unter Verzicht auf jeder Aktualisierung einfach als das erzählt, was sie ist: Als entsetzlich wahres Märchen, denn Sterben muss, zumindest hat man davon gehört, jeder. Dieser Jedermann ist in keiner Zeit verortet und an keinen Ort gebunden, er spielt niemals und immer, überall und nirgendwo.

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Das macht ihn paradoxerweise lebensnäher. Denn wenn man Jedermann als, sagen wir, Mafiadrama erzählt, dann kann jeder Zuschauer sagen: Was geht mich das an? Ich bin doch kein Mafioso! Das geht sich diesmal nicht aus.

Ein junger Toter

Lars Eidinger, der neue Hauptdarsteller, ist genau genommen mit 45 für den Jedermann viel zu jung, außerdem wirkt er wie ein ewiger Bub, wie ein vor sich hin träumender Popstar. Aber andererseits: Wer hat behauptet, dass der Tod nur alte Leute holt? Als diesem vitalen Menschen plötzlich das Leben ausgeht, ist die Fallhöhe umso größer.

Eidinger wirkt im ersten Teil der Geschichte fast ein wenig blass, er ist wie ein Kind, das nur spielen will. Dass er gerne frisst und säuft und hurt, glaubt man nur bedingt. Seine Auseinandersetzung mit dem Schuldknecht wird als Boxkampf gedeutet, eine ein bisschen gar schicke Idee, andererseits: Für diesen Jedermann ist eben alles nur Spiel.

APA/BARBARA GINDLGlaubhaft

Im zweiten Teil, als es ans Sterben geht, blüht Eidinger auf, und in der Tat ist er der erste Jedermann seit Jahrzehnten, bei dem die Lasst-minute-Bekehrung kein schauspielerisches Bravourstück ist, sondern wirklich glaubhaft.

Verena Altenberger ist als Buhlschaft mit kurzem Haar (sie spielte vorher eine Filmrolle als Krebskranke) und Hosenanzug einfach umwerfend. Sie ist sexy und verführerisch, vor allem aber ist sie eine tolle Schauspielerin, die den Konflikt einer Frau, die das Leben noch mehr liebt als ihren Mann, glaubwürdig darstellt.

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Edith Clever als Tod im Kaputzenkostüm ist das Ereignis des Abends. Sie kommt nicht spektakulär, sondern leise und fast zärtlich. Wie eine Mutter nimmt sie Jedermann in den Arm und wiegt ihn in den Schlaf. …read more

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Source:: Kurier.at – Kultur

      

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