
Jim Jarmusch ist ein Mann mit Markenzeichen. Was sein Äußeres betrifft, sowieso: Unverkennbar umstrahlt ihn sein weißgrauer Haarkranz, den er stilgebend mit einer schwarzen Sonnenbrille abdunkelt. Meist „dressed in black“, ist Jarmusch auch im Alter von 73 noch der Inbegriff einer Coolness, die er seit Beginn der 1980er mitgeprägt hat. Unverkennbar auch seine Filme.
Jim Jarmusch hat das amerikanische Independent-Kino seit seinem Debüt „Permanent Vacation“ (1980) nachhaltig beeinflusst. Sein lakonischer Humor in Schwarz-weiß, langsam und atmosphärisch in langen Einstellungen erzählt, machte mit „Stranger Than Paradise“ (1984) Schule. Jarmuschs „Stranger Than Paradise“ mit dem Saxofonisten John Lurie entstand zu einem Zeitpunkt, als der Musiksender MTV einen Höhepunkt feierte.
Schnell geschnittene Videos und schicke Outfits lagen voll im Trend, erzählt Jim Jarmusch im Roundtable-Interview mit dem KURIER und anderen Medien: „Damals dachte ich mir: Ich mache das genaue Gegenteil. So habe ich zu meinem Stil gefunden.“ Bis heute ist Jarmusch – in Variationen – seinem Stil treu geblieben, obwohl er selbst mit dem Begriff „etwas ist Jarmuschianisch“ nichts anfangen kann („Keine Ahnung, was das sein soll!“).
Filme wie „Down by Law“ (1986), „Mystery Train“ (1989) und „Night on Earth“ (1991) zählen heute ebenso zum fixen Bestandteil des Arthouse-Katalogs wie „Ghost Dog – Der Weg des Samurai“ (1999) “ und „Coffee and Cigarettes“ (2003). Und „Dead Man“ (1995) mit Johnny Depp, der zur Musik von Neil Young in Zeitlupe stirbt, ragt im Jarmusch-Werk ohnehin als unbestrittenes Meisterwerk heraus. Später überraschte er mit dem Vampirfilm „Only Lovers Left Alive“ (2012) mit Tilda Swinton, ließ Adam Driver in „Paterson“ (2016) als poetischen Busfahrer durch die Gegend kurven und entfesselte in „The Dead Don’t Die“ (2019) eine Zombie-Apokalypse.
Humor und Melancholie
Sein neuer Film „Father Mother Sister Brother“ (derzeit im Kino) wurde in Venedig mit dem Goldenen Löwen ausgezeichnet und ist wieder Vintage-Jarmusch. Er besteht aus drei minimalistisch erzählten Episoden, die Eltern und ihre erwachsenen Kinder zum Thema haben. Unterschwelliger Humor, aber auch Melancholie unterfüttern die Begegnungen mit einem verschlagenen Vater, einer reservierten Mutter, deren entfremdeten Kindern und zwei Geschwistern.
Neben Stammschauspielern wie Tom Waits und Adam Driver komplettieren Cate Blanchett und Vicky Krieps die Jarmusch-Schauspiel-Family. Wo sein Wunsch nach einem „Familienfilm“ herkam, kann er selbst nicht genau sagen, gibt der auskunftsfreudige Regisseur zu: „Wie sagt Adam Driver einmal so richtig: Man kann sich Partner und Freunde aussuchen, nicht aber seine Familie. Das betrifft uns alle.“
Er selbst sei froh, dass er erst spät Vater einer Tochter geworden sei, „denn dadurch konnte ich vermeiden, ihr denselben Schaden zuzufügen, den mein Vater mir zugefügt hat. Er war sehr kritisch und sehr frustriert.“ An dieser Stelle muss Jarmusch allerdings herzlich lachen und lenkt gleich ein: „Heute denke ich mit Liebe an meinen Vater, aber früher verstanden wir uns nicht. Ich bin mit 17 ausgezogen und habe mein eigenes Leben geführt. Erst viel später im Leben merkt man, dass die Eltern eigentlich anders waren, als man gedacht hat. Ich habe viel über meinen Vater erfahren, von dem ich vorher nichts wusste, als er schon gestorben war.“
Vater als Betrüger
In der ersten, besten Episode „Father“ spielt Tom Waits …read more
Source:: Kurier.at – Kultur



