Journalistin Hella Pick gestorben: Aus Wien ganz nah an die Weltpolitik

Kultur

Als Kind musste Pick aus Österreich fliehen und wurde prägende Journalistin in Großbritannien.

Hella Pick, die aus Wien vertrieben wurde und in Großbritannien eine der renommiertesten Weltpolitik-Journalistinnen wurde, ist tot. Sie starb 94-jährig in London.

Geboren am 24. April 1929 in Wien, entkam Pick 1939 mit einem sogenannten Kindertransport nach England.  Dort wurde sie eine der ersten Auslandskorrespondentinnen, die über die Dekolonialisierungsjahre in Afrika berichtete, als sich die Länder dort von England und Frankreich zu lösen begann. Für den Guardian berichtete sie unter anderem über den Fall des Eisernen Vorhanges und die ersten, optimistischen Jahre nach dem Kalten Krieg, über die Bewegung rund um Martin Luther King oder auch über John F. Kennedy.

Sie war 1989 an Bord des sowjetischen Kreuzfahrtschiffs Maxim Gorkiy, als Gorbatschow und Bush senior einander dort zum entscheidenden Gespräch über das Ende des Kalten Krieges trafen. Sie hat sich mit dem damaligen sowjetischen Außenminister Schewardnadse so gut verstanden, dass dieser „meine Fragen auch beantwortet hat“. Sie war mit Willy Brandt befreundet und sprach mit ihm über „den Holocaust, über Moral und deutsche Geschichte. Das waren für mich sehr wichtige Gespräche, die mein Denken über Deutschland und das Nazitum geändert haben“, wie sie 2022 im KURIER-Interview erzählte.

Zuletzt erschien ihre Autobiografie „Unsichtbare Mauern“ (Czernin Verlag). Erst nach dem Erscheinen der englischsprachigen Originalausgabe erfuhr sie das genaue Schicksal ihrer Großmutter, die von den Nationalsozialisten ermordet wurde. Nachdem sie den Guardian verlassen hatte, schrieb sie ein Buch über Österreich: „Guilty Victim“, also etwa „schuldiges Opfer“, nannte sie dieses. Sie selbst kehrte nach dem Krieg immer wieder nach Österreich zurück, urlaubte jährlich im Ausseerland, war etwa 2023 bei einem  Zeitzeuginnengespräch im Parlament in Wien. 

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„Ich komme gerne her“, sagte sie. „Zuerst bin ich als Touristin nach Österreich gekommen, nicht als Österreicherin. Aber Kreisky hat viele Emigranten zusammengebracht, um zu zeigen, wie weit es Österreich geschafft hat. Und um die Menschen zurückzubringen. Ab dann hab ich wirklich wieder angefangen, wieder als Österreicherin zu kommen.“

Sie könne „nicht vergessen, dass meine Wurzeln hier sind“. Und ebenso könne sie nicht vergessen, was in Österreich alles geschehen ist. „Das sind zwei Elemente, mit denen ich gelernt habe, zu leben.“

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Source:: Kurier.at – Kultur

      

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