Kostümbildner Thomas Oláh: „Es geht nie um gutes Aussehen“

Kultur

Der Wiener Kostümbildner Thomas Oláh stattete zuletzt „Vienna Blood“ und eine neue Serie auf Netflix aus

In der Jogginghose wird man Thomas Oláh nie antreffen, auch nicht während des Lockdowns. Unbeirrt behält er seinen eleganten Look in Schwarz-Weiß bei, komme, was wolle: Er trägt immer Hemd, Manschettenknöpfe, Jackett und schwarzen Anzug. „Wenn man Kostümbildner ist, schauen die Leute immer darauf, wie man aussieht“, sagt Thomas Oláh, von Beruf Kostümbildner für Theater, Film und Fernsehen, und blickt an sich hinunter: „Ich habe mich von Bildern aus den Filmstudios der 30er-Jahre inspirieren lassen, wo es ganz selbstverständlich ist, dass Regisseure im Anzug arbeiten und die Beleuchter eine Fliege tragen. Turnschuhe kommen für mich nicht infrage.“

Kurier/Jeff Mangione

Kein Freund des Turnschuhs: Thomas Oláh

So verwegen können die Umstände gar nicht sein, dass Oláh von seinem Outfit abrückt. Regisseur Detlev Buck beispielsweise, für dessen Film „Die Vermessung der Welt“ Oláh die Kostüme entwarf, wartete gespannt darauf, in welchen Klamotten sein Kostümbildner zu den Dreharbeiten im subtropischen Klima von Amazonien auftauchen würde: „Ich habe es durchgezogen und auch dort immer weißes Hemd und schwarze Hose getragen“, grinst der 1966 in Wien geborene Oláh: „Man muss die Umstände ignorieren und die Kleidung mit Würde tragen, dann geht das.“

Kostümanprobe

Thomas Oláh steht in seinem knapp 250 Quadratmeter großen Atelier einer Altbauwohnung im 4. Wiener Gemeindebezirk, die früher auch einmal die Wohnung seiner Familie war. Heute dient ihm das lange Vorzimmer als Laufsteg für seine Kostümanproben.

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Bevorzugt historische Epochen: Kostümbildner Thomas Oláh

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Der Darsteller oder die Darstellerin, die erstmals ihr neues Kostüm anprobiert, tritt hinter den Flügeltüren des anschließenden Zimmers hervor und marschiert auf einen Spiegel am Ende des Ganges zu: „Die Schauspielerin geht auf den Spiegel zu und wirft einen kritischen Blick auf das, was wir ihr gerade angezogen haben“, erläutert der Designer seine Arbeitsweise: „Ich stehe hinter ihr und schaue gar nicht sie an, sondern gucke ihr über den Spiegel in die Augen. Das ist für mich der spannende Moment, wo ich an ihrem Blick ablesen kann, was das Kostüm, das wir entworfen haben, mit ihr macht: Funktioniert es, hilft es, schlägt es ihr sogar etwas Neues vor, was die Interpretation der Rolle angeht?“

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Thomas Oláh in seinem Wiener Atelier

Denn bei einem Kostüm ginge es keineswegs um so oberflächliche Fragen, ob man darin attraktiv wirke oder einem die Farbe stehe: „Es geht nie um gutes Aussehen“, meint Thomas Oláh entschieden: „Es geht immer darum, das Wesen einer Figur darzustellen und den Körper so zu modifizieren, dass etwas Entscheidendes der Rolle visualisiert wird.“

Manchmal kommen da auch Kostüme ins Spiel, die das Publikum selbst gar nicht bewusst wahrnimmt.

Das Korsett, zum Beispiel.

Oláh erinnert sich daran, wie er mit dem Schauspieler Fritz Karl an einer Kostümprobe zu Götz Spielmanns Schnitzler-Verfilmung „Spiel im Morgengrauen“ arbeitete. Karl spielte darin einen schneidigen K.-u.-k-Offizier und sollte eine passende Uniform anlegen. Oláh hatte ihm ein Herrenkorsett vorbereitet, dass gerne von Offizieren unter der Uniform getragen wurde, um eine schmale Taille und eine gute Haltung zu garantieren.

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Source:: Kurier.at – Kultur

      

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