„Lieutenant Uhura“ ist tot: Wie es zum berühmten Kuss mit Kirk kam

Kultur
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Sie spielte nicht viele Filmrollen. Aber als Uhura in „Raumschiff Enterprise“ setzte Nichelle Nichols in den 60ern neue Maßstäbe in Sachen Diversität. Nun ist sie 89-jährig gestorben

Im Jahr 1968 stieß Nichelle Nichols in Galaxien vor, die nie ein Mensch im Fernsehen zuvor gesehen hat. Als sie in der Rolle der Lieutenant Nyota Uhura ihren „Star Trek“-Kollegen William Shatner alias Captain Kirk küsste, war es der erste Kuss zwischen einer Schwarzen und einem Weißen im US-Fernsehen.

Dieses Faktum ist jedoch umstritten. So gab es bereits 1967 einen Kuss zwischen Nancy Sinatra und Sammy Davis, Jr., allerdings eher als Wangenbussi ausgeführt. Und selbst in „Star Trek“ (dt. „Raumschiff Enterprise“) hatte Nichols davor schon einen solchen Kuss, und zwar 1966 mit der weißen Schauspielerin Majel Barrett, die die Krankenschwester Christine Chapel spielt.

Unbestritten ist: Nichols war eine der ersten schwarzen Frauen, die eine große Rolle in einer TV-Serie spielte, zudem in einer Führungsfunktion. Denn Gene Roddenberrys Science-Fiction-Serie war – lange bevor dafür Kampagnen geführt wurden – ein Hort der Diversität.

Und damit ist nicht gemeint, dass Shatner Kanadier ist. So spielten die Philippinin Barbara Luna und die französisch-vietnamesische France Nuyen mit (beide küssten Kirk), zudem der russischstämmige Walter Koenig (Chekov) und insbesondere der US-Japaner George Takei (Mr. Sulu), der offen homosexuell lebt und sich lautstark gegen Rassismus einsetzt.

Kuss mit Spock?

Dass sich Hollywood und das Fernsehen damals mit interkulturellen Liebesszenen noch schwertaten, zeigt die Entstehungsgeschichte der Szene aus „Platons Stiefkinder“, Folge 10 aus der dritten und letzten Staffel. So wurde aus Furcht vor den Reaktionen in den Südstaaten ernsthaft überlegt, Spock (Leonard Nimoy †) als Uhuras Kusspartner einzusetzen, weil dieser als Halbvulkanier einer fiktiven Rasse angehört. Es ging in der Handlung der Folge übrigens um gespielte Küsse, die den gefangengenommenen Besatzungsmitgliedern der Enterprise auf einem antik anmutenden Planeten das Überleben sichern sollten. Auch Spock ist förmlich dazu gezwungen, eine Frau zu küssen.

  Alltag mit aufgesetztem Lächeln

Shatner wollte die prominente Szene unbedingt mit Nichols machen, man einigte sich aber darauf, sicherheitshalber auch eine kusslose Version zu drehen. Was Nichols und Shatner allerdings konsequent torpedierten. Nichols erzählte: „Bei der einzigen Aufnahme, die am Set noch ganz okay aussah, verdrehte Bill die Augen. Es war so kitschig und einfach nur schlecht, also unbrauchbar.“ Die Verantwortlichen hätten schließlich aufgegeben und gesagt: „To hell with it. Let’s go with the kiss!“

Nach der Premiere am 22. November 1968 gab es keinen großen Skandal, dafür „eine der größten Mengen an Fanpost aller Zeiten“, sagte Nichols. „Alles sehr positiv, viele Frauen fragten mich, wie es sich anfühlt, Captain Kirk zu küssen und viele Männer fragten ihn dasselbe über mich.“

Das ZDF zeigte die Kultserie zwar bereits ab 1972 als „Raumschiff Enterprise“ (der ORF ab 1973), „Platons Stiefkinder“ war aber nicht unter den wahllos zugekauften Folgen. So lief die deutschsprachige TV-Premiere der Szene erst am 25. April 1988 auf Sat.1, der ORF zeigte den Kuss, der mittlerweile zum Kultmoment geworden war, schließlich am 16. Juni 1996 im Nachmittagsfernsehen. 

APA/AFP/MARK RALSTON / MARK RALSTON

Nichelle Nichols im Jahr 2017 bei der Premiere der TV-Serie „Star Trek: Discovery“

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Die 1932 im US-Bundesstaat Illinois geborene Nichols …read more

Source:: Kurier.at – Kultur

      

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