Lockdown in Museen: „Wir können das nicht wettmachen“

Kultur
PG STAATSOPER "NEUE ARBEITS- UND SPIELSTÄTTE"

Schließzeit trifft Museen in ihrer Hochsaison. Albertina-Chef Schröder sieht wegen Modigliani-Schau mehr als eine Million Euro Ausfall

„Es ist schlicht und ergreifend verheerend“, sagt Klaus Albrecht Schröder. Der Direktor der Albertina ist von der Ankündigung der ab Montag geltenden Schließung, die selbstverständlich auch die Museen betrifft, hörbar getroffen, als ihn der KURIER am Telefon erreicht. „Die Regierung hat uns versichert, dass es keinen Lockdown geben wird“, sagt Schröder. „Auf dieser Basis haben wir im Juni entschieden, unsere Modigliani-Ausstellung im Herbst zu machen. Da jetzt der Lockdown da ist, bedeutet das für uns eine Mindereinnahme von 1-1,5 Millionen Euro.“

Die Ausstellung des Künstlers, dessen Werke zu den teuersten der Welt zählen – und als Leihgaben daher zu hohen Kosten versichert werden müssen – ist die vermutlich aufwendigste Schau des Wiener Ausstellungsherbstes, der auch in anderen Häusern mit viel Elan angelaufen ist. Die Besucherzahlen der Albertina, erklärt Schröder, waren dabei bisher sogar über den Erwartungen gewesen, an Wochenenden zählte man regelmäßig mehr als 3000 Menschen und sah Schlangen vor dem Eingang. „Wir haben den fehlenden Tourismus teilweise kompensiert. Wir haben für Modigliani mit 200-250.000 Besuchern gerechnet, vor der Krise wären das 400-450.000 Besucher gewesen. Doch nun ist die Stopptaste gedrückt, und wir können das untere Ziel nicht erreichen.“

 

APA/GEORG HOCHMUTH / GEORG HOCHMUTHErhöhter Finanzbedarf

Bei voller Laufzeit über die Weihnachtsferien (bis 9. Jänner) hätte die Modigliani-Schau nicht nur ihre Kosten gedeckt, sondern auch einen Deckungsbeitrag für den Museumsbetrieb erwirtschaftet, sagt Schröder. Insgesamt hatte man einen Vorschauverlust von 1,4 Millionen für 2021 einkalkuliert. „Der hat sich auf 2,5 – 2,8 Millionen Euro erhöht. Das können wir nicht wettmachen“, sagt Schröder, der wegen des zusätzlichen Finanzbedarfs beim Kulturministerium vorstellig werden will. 

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Auch in den anderen Häusern fällt der Lockdown voll in eine Hauptsaison, die – dank des Binnentourismus und attraktiver Programme – gut angelaufen sei: Im Kunsthistorischen Museum etwa lag man, u. a. dank der aktuellen Tizian-Ausstellung, bei den Besuchszahlen rund 50% über dem Niveau des Vorjahres, sagt Sprecherin Nina Auinger. Nun werde das Museum nicht nur vom Besucherschwund, sondern auch vom Entfall von Vermietungen getroffen – werden doch Räumlichkeiten wie die Kuppelhalle des KHM oder das Atrium des Weltmuseums immer wieder auch für exquisite Weihnachtsfeiern gebucht. Es entfallen auch andere Events wie die beliebten – und bereits ausgebuchten – Cocktailabende im Museum, die mit 2-G-Plus-Regel ohne weiteres hätten stattfinden können. Auch die erfolgreiche Theaterserie „Ganymed“ hätte noch bis 27.11. Vorstellungen am Plan gehabt.

Helmut WimmerNach Aufbau geschlossen

Während die Wiener Secession am Freitag noch eine Eröffnung (samt Performance) ausführte, arbeitete im nahen mumok der deutsch-britische Fotokünstler Wolfgang Tillmanns am Aufbau einer Ausstellung, die zunächst einmal brachliegen wird. Die geplante Eröffnung am 27.11. fällt flach, die Schau soll nach Lockdown-Ende dann Besucherinnen und Besuchern offen stehen. Da die Ausstellung im mumok mit einer Laufzeit bis April 2022 großzügig bemessen ist, will man hier noch nicht von einer möglichen Verlängerung sprechen.

Während einige Museumsausstellungen – etwa „Avantgarde und Gegenwart“ im Belvedere 21, „Enjoy“ im mumok oder auch „Schiele und die Folgen“ in der Albertina Modern – bereits jetzt stärker auf eigene Sammlungsbestände …read more

Source:: Kurier.at – Kultur

      

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