„Man sollte den Aktivismus selbst nicht verunglimpfen“

Kultur

Der ehemalige Journalist und Berater in Klimafragen, Wolfgang Blau, hielt die erste Hugo Portisch-Lecture in Wien. Ein KURIER-Gespräch über Klimafragen und Journalismus.

KURIER: Was geben Sie eigentlich als Berufsbezeichnung an?

Wolfgang Blau: Ich berate einige der größten Unternehmen der Welt, Universitäten und Stiftungen in Fragen der Klimastrategie.

Warum verengt sich jemand wie Sie auf nur eine Nische?

Das ist eine Nische, die sich auf jede Industrie und jedes Land dieser Welt ausdehnt. Das ist das Interessante, aber auch das Drängende in der Klimafrage. Viele Fragen sind aufgeworfen: Wie wirtschaften wir, wie bauen wir unsere Häuser, wie heizen und kühlen wir, wie transportieren wir Güter, wie ernähren wir uns, ohne Treibhausgase auszustoßen, welche allmählich unsere heutige Art zu leben zerstören werden.

Ist der Begriff Klimajournalismus nicht problematisch, weil es Aktivismus und „Haltungsjournalismus“ impliziert, den die Leserschaft zu Recht immer mehr ablehnt?

Es gibt im Journalismus immer wieder Aktivismus zu beobachten, und ich halte das nicht für gut. Langfristig kann es das Vertrauen in die Publikation oder in die Person unterhöhlen. Eine wichtige Aufgabe der Journalisten ist auch, den gesellschaftlichen Zusammenhalt zu sichern. Wobei man den Aktivismus selbst nicht verunglimpfen sollte. Auch unsere heutige Pressefreiheit ist dem Einsatz von Aktivisten früherer Generationen zu verdanken.

Befürworten Sie denn die Aktionen der Klimakleber?

Auch beim Frauenwahlrecht waren die Suffragetten (Vorkämpferinnen für das Frauenwahlrecht vor 100 Jahren) nicht beliebt. Sie wurden verunglimpft.

Sie glauben, es löst Verständnis aus, wenn alle im Stau stehen oder eine Theatervorführung unterbrochen wird?

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Es zwingt uns, uns mit einem Thema auseinanderzusetzen, mit dem wir uns eigentlich nicht beschäftigen wollen, weil es so unglaublich unbequem ist.

Die Leser sind aber auch der vielen schlechten Nachrichten müde und vermeiden sie daher immer häufiger. Dazu zählt auch das Thema Klimakrise.

Diese „News avoidance“ ist tatsächlich in vielen Ländern zu beobachten, sogar unter sehr gebildeten Lesern. Es kann auch durch ein Ohnmachtsgefühl entstehen. Das müsste bei Klimathemen nicht sein, weil es  so viele erstaunliche Erfolge zu vermelden gibt: Energiewende, Ausbau der Erneuerbaren, der dramatisch schnelle Preisverfall bei Batterietechnik….

Das ist nicht nur eine positive Nachricht: Da übernehmen die Chinesen den Markt, heimische Betriebe haben das Nachsehen.

Das stimmt. Das hat die Biden-Administration in den USA auch erkannt und versucht es umzudrehen, weil sie weiß: Batterie- und Solartechnik ist das neue Öl.

APA/EVA MANHART

Sind die EU-Länder Vorreiter, der Profit bleibt aber bei anderen Ländern?

Es ist ja das Ziel der EU, mehr technologische Kompetenz aufzubauen. Die USA haben die Energiewende, aber auch andere neue Technologien zu ihrem Spielfeld gemacht, auf dem die weltweite Konkurrenz stattfindet. Um Teil dieses Innovationszentrums zu sein, verlagern viele interessante Firmen und Start-ups  ihren Standort in die USA, wie einst  im Silicon Valley. Tragischerweise wird die Stellung jener, die schon in der Digitalökonomie führend waren, nun noch weiter gestärkt. Aber selbst wenn die USA oder China das Rennen um die Technologie-Hoheit bei erneuerbaren Energien  gewinnen, ist es noch immer besser, als wenn es niemand gewinnt. Das Leid und die Schäden würden dramatisch zunehmen.

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Source:: Kurier.at – Kultur

      

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