Maurer über Moria: „Nicht gewählt, um unsere Haltung zu zelebrieren“

Kultur

Die erste Ausgabe von „Im Zentrum“ nach der Sommerpause stand im Zeichen der politisch brisanten Diskussion um eine Flüchtlingsaufnahme nach dem Brand im griechischen Flüchtlingslager Moria.

*Disclaimer: Das TV-Tagebuch ist eine streng subjektive Zusammenfassung des TV-Abends.*

Auch wenn die Temperaturen da draußen uns etwas anderes vorgaukeln mögen: Wenn im „Im Zentrum“-Studio wieder debattiert wird, ist der Sommer endgültig vorbei.

In der ersten Sendung nach der Sommerpause wurde bei Claudia Reiterer zum Thema „Die Tragödie von Moria – Europa zwischen Ausweg und Ausrede“ debattiert.

Wenn man die innerkoalitionären Bruchlinien in der Frage der Flüchtlingsaufnahme nach dem Brand im griechischen Flüchtlingslager Moria betrachtet, dann scheint ein Ausweg derzeit nicht in Sicht. Auch am Sonntagabend betonierten sich die beiden Vertreter der Regierungsflügel, Europaministerin Karoline Edtstadler und Grünen-Klubobfrau Sigrid Maurer weiter in ihren Positionen ein.

Maurer hielt mit ihrer Kritik am türkisen Regierungspartner nicht hinter dem Berg. Als Reiterer fragte: „Hat die ÖVP die Mitte verloren?“ antwortete Maurer mit einem unmissverständlichen „Ja“. 

Edtstadler antwortete hingegen mit einer Antwort auf etwas, wonach nicht gefragt wurde. Sie sei „auch als Frau und Mutter betroffen“ und es sei eine „Verpflichtung, schnellstmöglich zu helfen.“ Der Innenminister werde diese Woche die Grundlagen für 2000 Quartiere auf der griechischen Insel Lesbos sorgen. Das verstehe die Volkspartei als Hilfe vor Ort.

Während die Positionen unverrückbar erschienen, so brachte vielleicht der Diskussionsstil der beiden Spitzenpolitikerinnen einen Erkenntnisgewinn. 

Nebeneinander

Edtstadler und Maurer diskutierten nicht gegeneinander, auch nicht miteinander, sondern nebeneinander. Sprich: Die jeweils andere Vertreterin des Regierungspartners wurde nie direkt angesprochen oder gar herausgefordert.

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So entstand das Gefühl, dass beide Parteien in der Migrationsfrage jeweils ihr Profil schärfen möchten, ohne sich dabei gegenseitig wirklich wehtun zu wollen. 

Da die beiden Parteien schon vor der Regierungsbildung über diese Meinungsunterschiede Bescheid wussten, konnte diese Situation auch nicht besonders überraschend für sie sein.

Während Edtstadler und Maurer hier in einer Art Dauerschleife agierten, kam von den anderen Diskutanten durchaus die eine oder andere direkte Kritik.

Dreiergespann für Flüchtlingsverteilung

Der Versuch, andere überzeugen zu wollen, ist immer noch der Sinn einer Diskussion. Wobei die Einladungspolitik des ORF diesfalls nicht auf Ausgewogenheit setzte. Gleich drei Männer arbeiteten sich an der harten Position Edtstadlers ab. Der evangelische Theologe Ulrich Körtner, der Schauspieler Klaus Maria Brandauer und der frühere griechische Außenminister Dimitris Droutsas sprachen sich für eine Aufnahme von Flüchtlingen aus Moria aus.

Sie bissen allerdings, um mit Sigrid Maurer zu sprechen, „auf Granit“.

„Grauenvoll und zynisch“

Brandauer vertrat die in den letzten Jahren ein bisschen aus den Schlagzeilen geratene Spezies: Künstler, der für Menschlichkeit eintritt. 

„Ich kann mir nicht vorstellen, dass wir da weiter zuschauen“, sagte Brandauer, der die Initiative „Courage“ vertritt, die die Aufnahme von mindestens 144 Menschen aus Moria fordert. Es sei die Aufgabe eines reichen Landes mit einer „fantastischen Bevölkerung“, dort Hllfe zu leisten. Und man solle „nicht nur etwas hinschicken“, wenn man die Möglichkeit habe, die Leute herzuholen.

Es gehe darum, auf der richtigen Seite zu stehen, sagte Brandauer, „wir gehören zu denen, die Menschen, wenn sie in Not sind, helfen wollen.“

Er brandmarkte eine restriktive Haltung in dieser Frage als „grauenvoll und zynisch“, allein das Gespräch darüber findet Brandauer „ärgerlich“.

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Source:: Kurier.at – Kultur

      

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