„Medeas Kinderen“ bei den Festwochen: Massaker mit Mehrwert

Kultur

Milo Raus „Medeas Kinderen“ im Jugendstiltheater: Kinder spielen in einem Stück über Kindermord. Kann das gut gehen?

„Wer in ein Stück namens ,Medeas Kinder’ geht, der muss doch wissen, was auf ihn zukommt“, sagt eines von Medeas Kindern einmal. Das stimmt. Aber auch wieder nicht. Das Spiel mit Erwartungshaltungen beherrscht Regisseur Milo Rau. Nicht immer so zum Vorteil eines Stücks wie bei „Medeas Kinderen“ im Jugendstiltheater Steinhof. Hier dafür bemerkenswert. Es beginnt schon irritierend. Das Publikum wird herzlich begrüßt zur Nachbesprechung des Stücks. Moment, hat man sich in der Zeit vertan? Die schauspielenden Kinder (Jade Versluys, Gabriël El Houar, Emma Van de Casteele, Sanne De Waele, Anna Matthys, Vik Neirinck) nehmen auf Klappsesseln Platz, eine hat so kurz nach dem Duschen ein Handtuch als Turban um den Kopf geschlungen. Peter, Schauspieler (Peter Seynaeve) und Kindercoach, ist der Gesprächsleiter, er verspricht, dass später das Publikum Fragen stellen darf. Dazu kommt es natürlich nie. Denn immer wieder wollen die Kinder Teile des Stücks noch einmal aufführen – einen Monolog, einen Song. Bis man plötzlich doch ganz drin ist, im eigentlichen Stück.

Oder auch wieder nicht. Denn zu sehen ist nun eigentlich das „Vor-dem-Stück“, also das Filmen der Videosequenzen. Auf der Bühnenwand sind Szenen mit erwachsenen Schauspielerinnen und Schauspielern zu sehen, die auf der Bühne von den Kindern gespiegelt werden – Peter hält das mit der Kamera fest. Wie schon ein Mädchen auf die Frage, wie sie die Arbeit mit dem Regisseur empfunden hat, gemeint hat: „Theater machen habe ich mir anders vorgestellt“.

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Medea und ein „moderner“ Kindsmord

In „Medeas Kinderen“ wird die antike Tragödie des Euripides mit einem zeitgenössischen Mordfall verschränkt. Eine Frau ermordete ihre fünf Kinder im Alter von drei bis 14 Jahren. Ihr Mann hatte sie viel allein gelassen, er war die meiste Zeit in Marokko, er hatte eine Beziehung zu einem anderen Mann, der auch für den Unterhalt der Familie sorgte. Im Stück werden als Art Zeugenaussagen die Geschichten von Beteiligten der Katastrophe wiedergegeben, immer verwandeln sich Erwachsene auf der „Leinwand“ langsam in die Kinder auf der Bühne: Erst die Mutter der Mörderin, die berichtet, wie ihre Tochter nach der Hochzeit, für die der „väterliche Freund“ des Bräutigams gezahlt hatte, ihr entfremdet wurde. Dann folgt dieser Freund, ein gewisser Dr. Glas. Er erzählt im Strandkorb sitzend, dass der Mann der Mörderin für ihn der Sohn war, den er nie hatte. Eine beklemmende erotische Note bekommt die Beziehung, wenn er den Burschen abfrottiert und ihm einen langen Kuss gibt. Schließlich wird noch der Vater der ermordeten Kinder selbst befragt. In großer Nahaufnahme sieht man den Schmerz im Gesicht des jugendlichen Darstellers, wenn er erzählt, wie er die toten Körper seiner Kinder im Gerichtssaal wieder und wieder ansehen musste.

Detailliertes Massaker

Apropos tote Körper: Das Massaker an den Kindern wird – anders als in der Original-„Medea“, in der, wie ein Kind erinnert, das Grauen hinter der Mauer passiert – detailliert gezeigt. Mit minutenlangem Würgen, Theaterblut, das aus Kehlen spritzt. Es ist eine gespenstische Mischung aus Komik durch das offensichtliche Nicht-Reale und Horror durch …read more

Source:: Kurier.at – Kultur

      

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