Nach dem Spatzenkrieg: Die Folgen des Klimawandels im Weltmuseum

Kultur

Jonathan Fine, der Direktor des Weltmuseums in Wien, stellte das Jahresprogramm 2023 vor. Im Zentrum steht die Zukunft

Jonathan Fine, Jahrgang 1969, war Sammlungsleiter des Ethnologischen Museums in Berlin, das nun als Teil des Humboldt-Forums im Fake-Schloss untergebracht ist. Seit Juli 2021 leitet er das Weltmuseum, früher Völkerkundemuseum, im Corps de Logis der Neuen Burg.

Und er kann bereits über einen „erfolgreichen Lauf“ im Jahr 2022 berichten: Bis Ende Oktober wurden 148.000 Besucherinnen und Besucher gezählt. Damit übertreffe die Institution bereits jetzt das Ergebnis des Vor-Corona-Jahres 2019 mit 142.000 Besuchen.

Mit dem Programm für 2023, das Fine am Dienstag präsentierte, dürfte der Lauf fortgesetzt werden: Das Weltmuseum widmet sich dem Klimawandel bzw. den Auswirkungen. Schon jetzt ist offensichtlich: „Indigene Völker sind am stärksten von den negativen Folgen betroffen.“

Outfit der Hopi-Frauen

In der Jahresausstellung „Science-Fiction(s)“ werden Vorstellungen über die Zukunft aus anderen Perspektiven präsentiert: Zu sehen sein sollen von 30. März bis 9. Jänner 2024 im Design von KAWA (Ausstatter des SF-Films „Rubikon“) künstlerische Arbeiten, in denen Science-Fiction u. a. als Werkzeug zur Kritik an der Gegenwart und für alternative Zukunftsszenarien verwendet wird.

Library of Congress /Weltmuseum

Collage von Nicholas Galanin: Hopi-Frau und Prinzessin Leia

Eine Foto-Collage von Nicholas Galanin bringt die Thematik auf den Punkt: George Lucas griff für die Frisur der Prinzessin Leia in „Star Wars“ auf Outfits von Hopi-Frauen zurück, ohne dies ausgewiesen zu haben. „Man könnte das Inspiration nennen“, so Fine. „Aber eigentlich ist es ein Fall von kultureller Aneignung.“ Als Ergänzung greift der US-pakistanische Künstler Saks Afridi mit der Installation „Space Mosque“ – passenderweise im Theseustempel (von 21. April bis 8. Oktober) – die Frage auf: Was wäre, wenn alle unsere Gebete in Erfüllung gehen?

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Und der bisherige Korridor des Staunens im Weltmuseum wird zum partizipativen, kostenlos zugängigen Raum „zam“ (für „zusammen“). Dort zeigt man ab 23. Februar die Ausstellung „Ausgestorben!?“, in der Narrative des Aussterbens hinterfragt werden. In vielen Fällen würde sich der Spruch bewahrheiten, dass Totgesagte länger leben. Parallel dazu zeigt die südafrikanische Künstlerin Zara Julius ab 27. April „Whatever You Throw at the Sea“, eine multimediale Auseinandersetzung mit der Klimakrise. Beide Projekte laufen bis 16. Jänner 2024. Und in der Säulenhalle geht es um den „Spatzenkrieg“: Maximilian Prüfer thematisiert ab 18. Mai die verheerenden ökologischen Folgen der Ausrottung der Spatzen, zu der Mao ausgerufen hatte, weil sie Ernteschädlinge seien.

Angesprochen auf die Klimaaktivisten, die sich gerne festkleben, meinte Fine, dass jeder, der sich mit dem Thema beschäftigt, im Weltmuseum willkommen sei. Aber man möge vor etwaigen Interventionen bedenken, dass man sich ohnedies intensiv mit dem Thema auseinandersetze. TRENK

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Source:: Kurier.at – Kultur

      

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