Nachruf: Der zornige Hippie ist verstummt

Kultur

Folkrock-Legende David Crosby starb im Alter von 81 Jahren.

Bis zuletzt war Croz, wie ihn Freunde und Fans nannten, auf Twitter aktiv. Er gehörte zu den wenigen Rockstars (neben Nils Lofgren oder Gene Simmons von KISS), die sich dort tatsächlich angreifbar machten, und das in jeder Hinsicht. Er beantwortete die Fragen von Fans. Er stritt mit Trump-Fans und warb für die Demokraten. Er diskutierte über Bands (er liebte Steely Dan, die Beatles und Pink Floyd und hasste die Doors), und er bewertete Fotos von Joints, die ihm zugeschickt wurden, nach deren ästhetischem Wert.

David Crosby war der ewige Hippie, aber ein zorniger: Er stand ein Leben lang zu den Idealen von Friede und Liebe, kämpfte für sie, ohne Angst, sich lächerlich zu machen – und war doch selbst immer ein Störenfried, cholerisch, unbequem, auch unangenehm. Mit seinen Bandkollegen Neil Young und Graham Nash war er heillos zerstritten, mit Stephen Stills kaum weniger.

David Crosby wurde 1941 in Los Angeles in eine wohlhabende Familie geboren. Sein Vater Floyd Crosby war ein erfolgreicher Kameramann in Hollywood. Für seine Arbeit in „High Noon“ wurde er mit einem Golden Globe ausgezeichnet.

David Crosby war ein rebellischer Jugendlicher und kam früh mit dem Gesetz in Konflikt. Bald entdeckte er die Musik als sein Medium und wurde Teil der Folkrock-Szene von Los Angeles. 1964 gründete er gemeinsam mit Roger McGuinn – mit dem ihn eine lebenslange Hassliebe verband – und Gene Clark die Byrds, die bald als Amerikas Antwort auf die Beatles galten. Mit Superhits wie „Mr. Tambourine Man“ (geschrieben von Bob Dylan) und „Turn! Turn! Turn!“ wurden sie rasch sehr erfolgreich. Crosby ist Co-Autor ihrer vielleicht stärksten Nummer, „Eight Miles High“.

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Folkrock

Crosby langweilte der Pop-Stil der Band rasch und er schrieb anspruchsvollere Nummern. 1967 musste er im Streit die Gruppe verlassen. Gemeinsam mit Stephen Stills von Buffalo Springfield und Graham Nash von den Hollies gründete er  Crosby, Stills & Nash. Die Gruppe wurde um Neil Young erweitert und hatte mit anspruchsvollem Folkrock und betörendem mehrstimmigen Gesang weltweit Erfolg – die Zusammenarbeit  wurde fast bis zuletzt immer wieder aufgenommen.

In den vergangenen zehn Jahren nahm Crosby fünf Solo-Alben auf, die mit elegantem Jazzrock verblüfften, und gab ständig Konzerte.

Crosby war berüchtigt für seinen hemmungslosen Drogen- und Alkohol-Konsum. In den Achtziger-Jahren musste er für ein Jahr ins Gefängnis und bekam eine Spenderleber. Von da an mied er Alkohol und harte Drogen, bekannte sich aber offen zum Marihuana-Konsum.

Trotz oder wegen seines eigensinnigen Wesens wurde Crosby in der Musikszene verehrt. „Ich weiß nicht, was ich sagen soll, außer, dass es mir das Herz bricht“, schrieb Brian Wilson von den Beach Boys auf Twitter.

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Source:: Kurier.at – Kultur

      

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