Nachtkritik: Viel Sex, viel Spaß, viel Applaus

Kultur

„Orphée aux enfers“ bei den Salzburger Festspielen – ein großer Erfolg: Die Nachtkritik.

Barrie Kosky, der australische Regisseur, der in Wien gewachsen und an der Komischen Oper Berlin ganz groß geworden ist, liefert bei seinem Debüt bei den Salzburger Festspielen die Begründung, warum ihm Opernhäuser in aller Welt den roten Teppich ausrollen. Er inszeniert Jacques Offenbachs Opéra-bouffon „Orphée aux enfers“ hinreißend komisch, temporeich, rotzfrech, sexuell aufgeladen, voller Fantasie und insgesamt topprofessionell.

Bei Offenbachs Operette ist Eurydice nicht das arme, dahingeschiedene Opfer, sondern die selbstbewusste, sexuell aktive Frau, die ihren Orpheus, einen furchtbaren Langeweiler, gern los wird und mit wehenden Fahnen (und sichtbaren Geschlechtsteilen) zu den Bacchantinnen wechselt. Die Szenen in der Unterwelt sind ebenso humorvoll wie jene auf dem Olymp, natürlich ist manches an der Grenze zum Kindischen, die Pointen-Trefferquote aber sehr hoch. Auch die Kostüme (Victoria Behr) tragen zu diesem szenischen Feuerwerk bei.

Wenn man dieser knapp dreistündigen Aufführung, die am Samstag auch im ORF zu sehen sein wird, etwas vorwerfen kann/muss, dann die Degradierung der Musik. Prima le parole, heißt es hier.

Die Wiener Philharmoniker werden unter der Leitung von Enrique Mazzola zwischendurch zu einem Begleitorchester, das auf seinen Einsatz warten muss. Der berühmte Can-can ist dafür kraftvoll, fetzig, im High-Speed-Modus gespielt.

Den Sängerinnen und Sängern wird szenisch Enormes abverlangt, fabelhaft wird die Aufgabe von Kathryn Lewek (Eurydice) und Martin Winkler (Jupiter) gelöst, sie singen auch am besten. Auch Marcel Beekman als Aristée und als Pluto hat eine gute darstellerische und stimmliche Präsenz. Bei anderen Rollen ist das Spiel bedeutend wichtiger als der Gesang. Joel Prieto als Orpheus ist im Frack der große Fremdkörper auf der Bühne und auch sängerisch nicht sehr facettenreich.

Max Hopp, ein Berliner Schauspieler, führt (gemeinsam mit Anne Sofie von Otter als L’Opinion publique, also als „Öffentliche Meinung“) durch den Abend und übernimmt sämtliche gesprochenen Passagen aller Darsteller – eine Meisterleistung.

Vor einigen Jahren wäre all das wohl noch zu provokant gewesen und hätte einen Buhorkan geerntet, nun gab es Jubel. Auch das ein Indiz für eine gewisse steigende Offenheit, in vielerlei Hinsicht.

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Source:: Kurier.at – Kultur

      

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