Neuer TV-Arzt im ZDF: „Ich habe Arztserien nie gemocht“

Kultur
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Der in Wien lebende Georgier Merab Ninidze spielt im ZDF-Hauptabend „Doktor Ballouz“. Auf dem prominenten Sendeplatz des „Bergdoktors“.

Eine prominent an den deutschen Waldrand gebaute Klinik. Da entstehen sofort Bilder im Kopf. Mit einer glattgebügelten Seifenoper wie der „Schwarzwaldklinik“ hat „Doktor Ballouz“ aber nichts zu tun.

Was die elegische Grundstimmung und die außergewöhnlichen diagnostischen Fähigkeiten der Titelfigur betrifft, ist man schon eher bei „Dr. House“ zu Haus. Dessen Zynismus muss man allerdings abziehen. Ballouz ist ein Arzt, dem die Menschen vertrauen. Hauptdarsteller Merab Ninidze beschreibt ihn als „überzeugten Idealisten, der an das Gute im Menschen glaubt. Er ist wirklich ein guter Hirte.“

Auf dem ZDF-Sendeplatz, an dem sonst der „Bergdoktor“ ordiniert (ab heute Donnerstag, 20.15 Uhr), ist die neue sechsteilige Serie trotzdem ein Wagnis. Die Titelfigur entspricht kaum den Hör- und Sehgewohnheiten im Hauptabend: Ein mit Akzent sprechender Arzt im zerknitterten Columbo-Mantel tuckert mit seinem Trabi durch die Alleen der idyllischen Uckermark, ab und zu steht eine Schafherde im Weg.

Reales Vorbild

Inspiration für die Serie ist ein Arzt, der tatsächlich in der nördlich von Berlin gelegenen, strukturschwachen Uckermark ist. Dr. Amin Ballouz fährt ebenfalls Trabi, kleidet sich ungewöhnlich, ist aber kein Chefarzt einer Klinik. Das Original ist mit Leib und Seele Landarzt, mit dem Serien-Ballouz verbindet ihn der tägliche intensive Patientenkontakt.

„In seinem Ort ist er eine lebende Legende sozusagen, er ist sicher kein typisch westlicher Arzt, eher ein ungewöhnlicher Vogel“, weiß Ninidze zu berichten. Vor Ort recherchiert habe er nicht, „weil man dann unbewusst mehr Nähe zur echten Figur findet, als gut ist.“

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Aus Bürgerkrieg geflohen

Der echte Ballouz floh aus dem Bürgerkriegsland Libanon, auch der Serien-Ballouz ist emigriert. Ninidze konnte seine eigene Geschichte damit „ein bisschen verbinden“. „Als in den 90ern der Bürgerkrieg in Georgien ausbrach, war ich gewissermaßen gezwungen, das Land zu verlassen, mein Leben neu zu starten. Es war reiner Zufall, dass ich in Österreich gelandet bin und hierbleiben konnte“, erzählt er.

Geholfen habe ihm der Kontakt zu Kunsttheoretiker Peter Weibel und zur heimischen Filmszene. 1994 wurde er in Andreas Grubers KZ-Drama „Hasenjagd“ besetzt. Obwohl er kein Wort Deutsch konnte, spielte Ninidze eine der Hauptrollen, einen Mauthausen-Flüchtling. Er habe gedacht: „Okay, das ist ein Zeichen, dass ich so bald wie möglich mit der Sprache klarkommen muss. Wenn mich ein Beruf so einlädt, dann darf ich nicht versagen.“

Es folgte eine Hauptrolle in Goran Rebić`„Jugofilm“, als weiterer Grundstein für eine Karriere, die Ninidze zu Engagements in Deutschland und zu internationalen Serienauftritten („Homeland“, „McMafia“) führte.

Mit Akzent

Auch Dr. Ballouz hat es nach oben geschafft. Ninidze hält solche Geschichten für sehr wichtig. „Wir Migranten werden als Belastung gesehen, wir bringen unsere eigene Kultur, die hier nicht gebraucht wird. Wenn dann so ein vorbildlicher Migrant wie Ballouz auftritt, mit so einer Inspiration, dann ist das ein kleiner Schritt zu mehr Toleranz. Vor 10, 15 Jahren wäre man nicht so weit gegangen, das mit einem Ausländer mit Akzent zu besetzen,“ sagt er. „Man hätte einen deutschen Schauspieler den Ausländer spielen lassen, weil die Rolle zu wichtig ist und weil die Zuschauer durch den Akzent ermüden könnten. Ich finde es großartig, dass wir …read more

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Source:: Kurier.at – Kultur

      

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