Neues Album von Bon Jovi: Vier-Sterne-Menü, streng nach dem Erfolgsrezept

Kultur

Seit heute ist „Forever“ zu hören. Wer Bon Jovi mag, wird sich hier sehr gut aufgehoben fühlen.

Es ist ja längst eine Art bitterer Running Gag, dass der Rock ’n‘ Roll eigentlich nie so alt werden wollte wie jene, gegen die er sich einst richtete. Aber längst zwickt’s und zwackt’s, längst ist die Musik der einstigen Jugend von der Realität eingeholt worden, dass nicht nur die Band-T-Shirts von damals zu klein geworden sind, sondern mit den Jahren auch Ernsthafteres im Körper passiert. Jon Bon Jovi ging zuletzt offensiv an die Öffentlichkeit: Er hat sich einer Stimmbandoperation unterziehen müssen, nachdem seine Stimme – Fundament einiger der grandiosesten Powerballaden der Hitparadengeschichte – schwer in Mitleidenschaft gezogen war.

Das geht natürlich an die Essenz seiner Erfolgsband, die von musikalischer Luft unter den Schwingen von uns Büromenschen lebt: Bon Jovi war immer dann besonders gut, wenn der Sänger aufs Gas gestiegen ist. Umso gespannter durfte man nun auf das neue Album sein: Was bleibt von Bon Jovi?

Das neue Album „Forever“, am Freitag erschienen, gibt die Antwort: Es bleibt Bon Jovi.

Die letzten Stadionkonzerte der Band vor der Pandemie waren Risiken: An schlechten Tagen – wie in Wien – hörte man einen Frontmann, der um stimmliche Fassung rang. Doch das neue Album birgt ein klares Statement: Bon Jovi ist immer noch für große Gefühle in großen Räumen gebaut. Ein majestätischer Refrain reiht sich an den nächsten, große Gitarrenakkorde und auf Stadion getrimmtes Schlagzeug erinnern an jene Fiktion von Freiheit und wahrer Liebe, die Bon Jovi immer behauptet haben. 

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Und zumindest im Studio, wo ja vieles möglich ist, hört man einen Jon Bon Jovi, der wie Jon Bon Jovi klingt.

EPA/NEIL HALL

Okay, vielleicht nicht ganz. Der dauerjugendliche Pathos, der einst Hymnen wie „Always“ oder „Bed Of Roses“ zum popmusikalischen Ereignis machte, ist natürlich gedämpfter. Aber, womit wir wieder beim Anfang wären: Bon Jovi sind ja auch längst keine Mittzwanziger mit komisch geföhnten Mähnen mehr. Da entscheidet sich nicht mehr an jeder Emotion das Leben, und das hört man halt auch. Zum Glück.

„Forever“ vermag jedoch hervorragend, unter geänderten Voraussetzungen markenadäquat zu bleiben: Da ist jeder Song ein Bon-Jovi-Song, und allein das ist eine Leistung. Die Baukastenteile sind alle da, auch die gedämpften akustischen Vorbauten, von denen aus sich die Songs dann extra hoch in die Luft schrauben können. Es gibt Balladen („Kiss the Bride“) und Powerballaden („Seeds“) und alles dazwischen. Es gibt jene Art von unverbindlichem Up-Tempo-Song, den nur Bon Jovi mit ernstem Gesicht darbieten können – und damit überzeugen. 

Und nachdem wir alle auch mitgealtert sind, ist das vor allem eine überaus taugliche Erinnerungsvorlage an die einfachen Emotionskasteln, in denen man dereinst die Welt empfand. Er sei „verliebt in seine erste Gitarre“, singt Bon Jovi, und ja, man erinnert sich. Man kann da wohl durchaus ohne zu großen Wagemut hineininterpretieren, dass das Album nicht nur eine Selbstvergewisserung einer Band ist, deren Zukunft vor kurzem noch alles andere als klar war, sondern auch ein Jetzt-oder-nie-Statement: Wenn das das letzte Album von Bon Jovi sein sollte, dann können sie hoch zufrieden sein, und wenn …read more

Source:: Kurier.at – Kultur

      

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