Neues Album von Moderat: Beim Biertrinken hat man sich wiedergefunden

Kultur

Das Berliner Trio Moderat hat mit „More D4ta“ ein neues Album veröffentlicht.

2017 war Schluss: Keine Konzerte, kein Austausch, keine neue Musik mehr. Zwischen Gernot Bronsert und Sebastian Szary, die gemeinsam das Duo Modeselektor bilden, und Sascha Ring alias Apparat herrschte Funkstille. Von Trennung, dem letzten gemeinsam gespielten Konzert und dem Ende der erfolgreichen Kollaboration war die Rede. Sechs Jahre danach ist aber alles anders, fast alles beim Alten.

Dass nun mit „More D4ta“ ein neues Album der Supergroup der elektronischen Musik vorliegt, ist weder ein Wunder, noch war das von langer Hand geplant, wie Sascha Ring im KURIER-Interview erzählt: „Nach unserer großen Berlin-Show haben wir zwei Jahre nicht miteinander gesprochen. Nicht weil wir uns gehasst haben, aber wir hatten so ein Bedürfnis, was anderes zu machen, was uns eben in völlig unterschiedliche Richtungen getrieben hat. Irgendwann haben wir dann wieder angefangen, über Musik zu reden.“

Der kreative Prozess zum nun vorliegenden Album „More D4ta“ sei nicht einfach gewesen, wie man im Pressetext nachlesen kann. Wenn man Sascha Ring darauf anspricht, präzisiert er die Probleme: „Es ist schwierig gewesen, die fünf Jahre, in denen man keinen Kontakt hatte, aufzuholen, zu checken, wo die anderen so stehen. Wir hatten eine lange Zeit echt nicht viel Miteinander zu tun, da muss man schon erstmal einige Biere trinken, um sich wieder auf einen gemeinsamen Stand zu bringen“, sagt der 43-Jährige.

Pathos-Hammer

Nach dem man sich gegenseitig upgedatet hatte, gingen die Arbeiten am Album relativ schnell voran. „Wir haben anfangs viel über alle möglichen Konzepte nachgedacht. Wir spinnen dann auch alle immer viel herum, aber am Ende gehen wir im Studio dann doch immer mit dem Flow. Alles andere wäre ja ein Verbiegen. Diesmal war wirklich auffällig, dass man uns auch nach fünf Jahren wieder ins Studio stellen kann und am Ende klingt es nach Moderat.“

  Hunde, Horror und Haute Couture

Es wurde experimentiert, an modularen Synthesizern herumgeschraubt und an Klangwolken gebastelt. In den Pausen ging man dann wohl gemeinsam mit dem Aufnahmegerät im urbanen Wald spazieren, sammelte Vogelgezwitscher, holte Großstadtatmosphäre ein und verarbeitete das dann zu komplexen Soundschnipsel.

Das Ergebnis ist nicht unbedingt tanzbar. Der Dancefloor spielt also kaum noch eine Rolle. Der Sound ist düster, fast schon beängstigend beklemmend. Die Songs bauen auf sphärische Melodien auf. Die Beats sind selten geradlinig, gerne vertrackt und im Midtempo angesiedelt. Auffällig ist auch, dass die neuen Songs weniger auf große Pop-Momente ausgelegt sind. Hat man sich da bewusst von der Massentauglichkeit entfernt? „Für mich persönlich ist Moderat schon die Baustelle, auf der ich mal den Pathos-Hammer auspacken kann. Aber diesmal war uns vielleicht nicht ganz so danach. Wir waren ja in einer sehr intimen Studioblase. Da passt Stadionpop vielleicht nicht so gut“, sagt Ring.

Birgit Kaulfuss

Die zehn neuen Songs spiegeln musikalische Reflexionen der letzten zwei Corona-Jahre, in denen Isolation und mediale Informationsflut zum permanenten Grundrauschen geworden sind, wider. Viele der Lyrics auf dem Album sind von der Berliner Gemäldegalerie inspiriert, die Sascha Ring häufig mit seiner neugeborenen Tochter besuchte. Für Ring ein Ort der Ruhe, der Entschleunigung, ein Kontrastpunkt zum Leben, das „mit wahnwitziger Geschwindigkeit ins Digitale …read more

Source:: Kurier.at – Kultur

      

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