Neues von Elena Ferrante 1, 2 oder 3

Kultur

Im Roman „Das lügenhafte Leben der Erwachsenen“ durchschaut ein Mädchen in Neapel den schönen Schein ihrer Familie

Da könnte man ja fast noch Fan von Elena Ferrante werden – der man allein schon deshalb nicht war, weil in ihrer berühmten Neapolitanischen Saga von Neapel nichts zu spüren war. Lila und Elena hätten auch in Bregenz aufwachsen können oder in Neusiedl am See; kaum ein Unterschied.

Im neuen Roman, seit Ende 2019 in Italien im Buchhandel und kontrovers diskutiert, ist immerhin vom oberen und vom unteren Neapel die Rede.

Giovanna ist 13 und lässt in der Schule nach, als sie ihren Vater hört, der leise zu ihrer Mutter sagt: „Giovanna kommt ganz nach Vittoria.“

Vittoria ist Vaters verhasste Schwester, Giovannas Tante, die immer als grantig, hässlich und bösartig beschrieben wird.

Vittoria wohnt „unten“, sie hat bei den Reichen „oben“ die Häuser geputzt.

Versprechen

Starker Beginn. Man weiß ja nicht, wem man gratulieren soll, Ferrante 1 oder 2 oder 3. Manche vermuten, dass hinter dem Pseudonym mehrere stecken.

Jedenfalls will Giovanna wissen, wie ihre Tante ist. Und steigt gewissermaßen herab zu den Wilden – wo sie augenblicklich lernen wird, dass man sich mit rosa Schuhen und rosa Jacke und rosa Haarspange lächerlich macht.

Schau dir deine Eltern genau an, wird die Tante sagen, und Giovanna wird es machen. Ihre Eltern haben nur Geld und Eigentum im Kopf. Und der Papa hat eine Geliebte, und die Mama hat einen Geliebten.

Kernsatz, während Giovanna heranreift: „Lügen, nichts als Lügen, die Erwachsenen verbieten sie und lügen dabei selbst, was das Zeug hält.“

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Da kann man nur den Freundinnen das Versprechen abgeben, so erwachsen zu werden, wie es keinem anderen je passiert ist.

Schöner Schluss einer Geschichte, in der Lack einer Familie weggekratzt wird. Aber mit Neapel kann Ferrante wieder nichts anfangen, wie man bald merken wird. Seltsam. Es ist ihr Neapel. Sie zählt lieber Straßennamen auf, einfach so.

Und ein einziges Mal will ein Satz Neapel einfangen – nämlich: „Die Stadt rauscht.“ Rosa Schuhe sind nicht lächerlicher.

Das Foto oben zeigt die Schauspielerin Eva Mattes: Sie liest alle Hörbücher Elena Ferrantes. „Das lügenhafte Leben der Erwachsenen“ (erschienen im Hörverlag)  ist 750 Minuten lang und kostet  24,90 Euro

Elena
Ferrante: „Das
lügenhafte
Leben der Erwachsenen“
Übersetzt von
Karin Krieger.
Suhrkamp.
415 Seiten.
24,90 Euro

KURIER-Wertung: *** und ein halber Stern

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Source:: Kurier.at – Kultur

      

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