
ORF-Chefin Ingrid Thurnher ist angesichts von Sparplänen, die für den ORF gewälzt werden, alarmiert. Kolportiert werde, dass zusätzlich zum gegenwärtig zu stemmenden Sparpaket ein weiteres in Höhe von 80 bis 90 Millionen Euro pro Jahr auf das Medienhaus zukomme. „Das ist in einer Dimension und Kurzfristigkeit, die an den Grundfesten rüttelt“, warnte sie am Dienstagabend im ORF-Zentrum bei einer Veranstaltung zur Ehrung der Journalistinnen und Journalisten des Jahres.
Hintergrund ist, dass die ÖVP die Abgeltung des Bundes für den Entfall der Umsatzsteuer und den damit einhergehenden Vorsteuerabzug mit dem Umstieg auf den ORF-Beitrag streichen will. ÖVP-Generalsekretär Nico Marchetti sprach davon, dass der ORF einen Beitrag zur Budgetkonsolidierung leisten müsse. „Ja, der ORF wird weiter sparen müssen“, sagte Thurnher. Der Sparumfang werfe aber die Frage auf, ob es den ORF noch in der gegenwärtigen Größe geben könne. „Das Publikum wird es spüren“, warnte die ORF-Generaldirektorin. Tabu müsse der Kern des öffentlich-rechtlichen Auftrags – „unabhängige, qualitätsvolle Information“ – sein, so Thurnher, die im Rahmen einer Laudatio auf die Redaktion des ORF, auch klarstellte: „Der ORF ist nicht Spielball der Politik. Der ORF gehört dem Publikum.“
Lederer: Alle Bereiche gleichmäßig belasten
Angesichts der finanziellen Lage wurde am Dienstag eine Sondersitzung des Finanzausschuss des ORF-Stiftungsrats abgehalten. „Wir müssen unseren Beitrag leisten und uns nach der Decke strecken“, sagte ORF-Stiftungsratsvorsitzender Heinz Lederer am Mittwoch gegenüber der APA mit Blick auf die „wirklich herausfordernden Vorgaben“, die man aber erfüllen werde müssen. Alle Bereiche des ORF müssten gleichmäßig belastet werden. Lederer merkte an, dass es der ORF-Geschäftsführung offen stehe, den Rechtsweg zu beschreiten, wenn der Verdacht bestehe, dass der öffentlich-rechtliche Auftrag finanziell nicht mehr ausreichende Bedeckung fände.
ORF III-Belegschaft will rasche Prüfung von Schöber
Indes beschäftigt Thurnher auch eine weitere Baustelle: ORF III. „Der Sender ist Gegenstand medialer Negativ-Berichterstattung, die dem gesamten Ansehen der Sendermarke, dem ORF insgesamt und der Arbeit der Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter massiv schadet. Der Unmut und die Verunsicherung in der Belegschaft sind groß“, hieß es in einer Aussendung vonseiten der ORF III-Belegschaft nach einer erfolgten Betriebsversammlung. Es dürfe in Zukunft nicht einmal mehr der Eindruck von käuflicher Berichterstattung entstehen, denn das Vertrauen des Publikums – und damit das höchste Gut – stehe auf dem Spiel. Die ORF III-Betriebsversammlung richtete den Appell an die ORF-Generaldirektorin, die angekündigte Prüfung zu den Vorwürfen gegen die ORF III-Programmgeschäftsführung in Person von Peter Schöber rasch zum Abschluss zu bringen und dem Ergebnis entsprechende Maßnahmen zu setzen, „um wieder ein professionelles und von gegenseitigem Respekt getragenes Umfeld zu schaffen“.
„Programm im ORF ist nicht käuflich“
Vor über einem Jahr haben rund 60 Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter im Rahmen einer Untersuchung rund um Vorwürfe zu Schöbers Führungsverhalten, Mobbings und Einflussnahme auf die redaktionelle Berichterstattung ausgesagt. In mehreren Standard-Artikeln wurde zuletzt zudem die Finanzierung mancher ORF III-Sendungen problematisiert. Thurnher stellte am Dienstag klar: „Programm im ORF ist nicht käuflich.“ Derzeit würden Vorwürfe „sehr genau“ untersucht. Wenn es Fehlverhalten gegeben haben sollte, „gibt es Konsequenzen“, versicherte sie.
Source:: Kurier.at – Kultur



