Premiere „La gazza ladra“: Wenn ein Vogel Federn lassen muss

Kultur

Gioachino Rossinis „La gazza ladra“ in der Inszenierung von Tobias Kratzer als Produktion des MusikTheaters an der Wien im Ausweichquartier der Halle E des Museumsquartiers

Es gibt oft gute Gründe, warum sich ein Werk nicht im Repertoire der internationalen Opernhäuser befindet. Gioachino Rossinis 1817 in Mailand uraufgeführte „La gazza ladra“ (also „Die diebische Elster“) ist so ein Fall. Mit Ausnahme der Ouvertüre, die gerne in Konzerten gespielt wird, ist das Stück weitgehend von der Bildfläche verschwunden.

Doch das MusikTheater an der Wien hat es sich seit jeher zur Aufgabe gemacht, auch Raritäten zu bergen, sie auf ihren Gehalt abzufragen. Oftmals mit sehr großem Erfolg. Dieser will sich allerdings bei der Neuproduktion dieser „Diebischen Elster“ nicht wirklich einstellen. Und das hat mehrere Ursachen.

Sehr dünn

Einerseits liegt es an der Oper selbst. Die Handlung rund um ein junges Dienstmädchen namens Ninetta, das des Diebstahls eines Löffels (in Wahrheit war es natürlich die Elster) verdächtigt wird, sich schuldig bekennt, um ihren aus der Armee desertierten Vater zu schützen, und zum Tode (!) verurteilt wird, ist eher dünn. Daran können viel Nebenpersonal sowie eine zarte Liebesgeschichte zwischen Ninetta und einem gewissen Giannetto nichts ändern. Die aufgesetzte Sozialkritik – es geht zudem um Krieg, Despoten und herrschaftliche Willkür – verkompliziert das Ganze zusätzlich.

Wie soll man also dieser Geschichte beikommen? Regisseur Tobias Kratzer hat in dem mehrgeteilten, akustisch nicht ganz optimalen Bühnenbild von Rainer Sellmaier (auch Kostüme) den naturalistischen Weg gewählt und die Handlung in einer nicht näher definierten Gegenwart verortet. Er erzählt ein langatmiges Gesellschaftsdrama, das von einem Kunstgriff lebt. Die Elster wird auf einer Leinwand sichtbar. In Form einer Drohne, deren Schnabel den Blick auf das Elend der Protagonisten freigibt.

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Monika Rittershaus

Der Rest der Umsetzung ist konventionell.

Das wäre ja an sich kein Problem, da die Personenführung stimmt, auch der Chor (gut wie immer der Arnold Schoenberg Chor) souverän bewegt wird. Ein sehr großes Problem aber gibt es. Offenbar hatte niemand den Mut zu Strichen, und so flattert der arme Vogel mehr als dreieinhalb Stunden (inklusive kurzer Pause) durch ein trostloses Ambiente. Rossini fast in der Länge einer Oper von Richard Wagner – das ist doch ein bisschen hart.

Sehr dick

Zumal auch die musikalische Seite wenig ergiebig ist. Das liegt nicht am sehr ambitionierten ORF Radio-Symphonieorchester Wien, sondern an Dirigent Antonino Fogliani, der auf einen extrem dicken, breiten, ja mitunter sogar breiigen Rossini-Klang setzt. Die Italianità bleibt da weitgehend auf der Strecke.

Das Hauptproblem aber sind auch hier die fehlenden Striche. Arie um Arie, Szene um Szene reihen sich da träge aneinander. Immer wenn man glaubt, eine Nummer wäre zu Ende, kann man sicher sein: Nein, da kommt noch was!

Theater a.d.Wien/Monika Ritterhaus

Die Sängerinnen und Sänger können nichts für diesen zähen Marathon. So zeigt die Sopranistin Nino Machaidze einmal mehr, warum sie zu den Besten ihres Fachs zählt. Ihre Ninetta ist der stimmliche Dreh-und Angelpunkt des Abends. In der eher undankbaren, weil eindimensionalen Rolle des Giannetto steht ihr der gute Tenor Maxim Mironov vokal um nichts nach.

Fabio Capitanucci, Marina de Liso, Paolo Bordogna, Nahuel Di Pierro und – mit Abstrichen – Diana …read more

Source:: Kurier.at – Kultur

      

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