Rock ’n’ Roll kann man nicht absagen

Kultur

Wolfgang Fischer, Chef der Wiener Stadthalle, über Visionen, Umsatzeinbußen, das fehlende gemeinsame Live-Erlebnis und die Zukunft nach Corona.

Die Wiener Stadthalle gleicht einem Geisterhaus. Niemand da. Außer ein paar Mitarbeitern, die Reparaturarbeiten erledigen und durch die Gänge wischen, damit die Staubschicht nicht zu hoch wird.

In Österreichs größter Veranstaltungshalle ist seit Mitte März Ruhe eingekehrt, was Wolfgang Fischer täglich neue Sorgenfalten bereitet. Denn immerhin ist es sein Job, die Hallen mit Leben zu füllen.

KURIER: Wie geht es einem als Geschäftsführer der größten Event-Halle des Landes?

Wolfgang Fischer: Schon mehr gelacht, wiewohl der Kummer auf einem relativ hohen Niveau stattfindet. Wir haben starke Eigentümer mit der Wien Holding und der Stadt Wien und in diesem Sinn keine Existenzsorgen. Wir haben Rücklagen seit acht Jahren von null auf 16,3 Mio. Euro aufgebaut, wir haben die Mitarbeiter und Mitarbeiterinnen in Kurzarbeit und mussten keine Freisetzungen machen. Also so gesehen, den Umständen entsprechend ehrlicherweise eigentlich ganz okay.

Wie beurteilen Sie die Maßnahmen der Bundesregierung?

Aus dem Volk der acht Millionen Fußball-Nationaltrainer wurde eines mit ebenso vielen Epidemiologen – ich beneide Politiker keine Sekunde. Die Umsatzsteuer-Senkung auf fünf Prozent war eine gute Maßnahme – zumindest für jene Branchen, die Umsätze haben. Der soeben beschlossene Veranstalter-Schutzschirm ermöglicht etwas Planungssicherheit, was überaus wichtig war. Die Gleichbehandlung aller Veranstaltungsorte, ob Wiener Stadthalle mit einer Sitzplatz-Kapazität von 12.000 oder Dorfsaal mit ein paar Hundert, ist völlig unsachgemäß. Die Erste Bank Open in der Riesen-Halle D mit ihren 10.000 genauso auf 1.500 Besucher zu beschränken wie jeden Hotel-Ball-Saal ist einfach unsinnig.

  Die Barbaren erobern jetzt Netflix

Opernhäuser haben offen, Kabarett- und Theaterbühnen werden bespielt. Warum finden in den Hallen der Wiener Stadthalle keine Veranstaltungen statt?

Das stimmt so nicht, es gab seit dem Lockdown bis dato das Street Food Festival, eine Hauptversammlung sowie die Messe architect@work. Darüber hinaus ist es eine Frage der Struktur, denn die Wiener Stadthalle produziert nicht selber, sondern steht Veranstaltern als Location mit viel Know-how und Herzblut zur Verfügung. Aber es liegt auf der Hand, dass sich bei derzeit erlaubten 1.500 Besuchern eine Show, die mit 10.000 kalkuliert und produziert wurde, betriebswirtschaftlich für Musiker und Veranstalter nicht rechnen kann. Uns sind da die Hände gebunden – wir können keinen zwingen.

Immer wieder werden mögliche Nutzungen für die Wiener Stadthalle ins Spiel gebracht – zuletzt kam von der ÖVP Wien der Vorschlag, eine Markthalle zu machen. Wird man bald in die Stadthalle einkaufen gehen?

Die Wiener Stadthalle wird jedenfalls bis zur Eröffnung der neuen Arena in St. Marx exakt dieselbe Nutzung wie die vergangenen 60 Jahre haben. Daran arbeiten wir und das wird gelingen, es wird wieder Shows und Konzerte in der Wiener Stadthalle geben. Wie dann eine Neuausrichtung ausschauen wird, wird man nach einer ausführlichen Bestandsanalyse, die dieser Tage gemeinsam mit der Wien Holding gestartet wird, sehen. Und dann wird man auch wissen, welche Nutzungen sinnvoll und möglich sind.

Von welchen Kriterien hängt das im Detail ab?

Davon, welche technischen Notwendigkeiten zu machen sind und was die einzelnen Sanierungsschritte. kosten. Wenn sich etwa herausstellen sollte, dass eine Erhöhung der Traglast des Daches, wo derzeit 100 Tonnen hängbar sind, zig Millionen kosten würde, …read more

  Belvedere: Stella Rollig zeigt 2021 Corinth, Wotruba, Dürerzeit

Source:: Kurier.at – Kultur

      

(Visited 1 times, 1 visits today)

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.