„Siegfried“ in Bayreuth: Ein Triumph für Andreas Schager

Kultur

Des „Rings“ dritter Teil kam am Mittwoch zur Premiere. Für den österreichischen Titelhelden gab es Jubel. Die Nachtkritik.

Nach sechs Stunden (inklusive Pausen) hatte man dein Eindruck, Andreas Schager verfüge immer noch über so viel Kraft, dass er die ganze Partie des Siegfried gleich ein zweites Mal singen könnte. Der österreichische Tenor ist diesbezüglich (freilich nicht nur darob) wirklich ein Phänomen.

Er singt die Titelrolle vom Anfang bis zum Ende mit voller Wucht, Attacke, sicher in der Höhe. Die besten Passagen sind jene, in denen er den wilden, ungezähmten jungen Mann heraushängt, aber auch im Duett mit Brünnhilde gibt es durchaus berührende Momente.

Er wurde nach der Premiere des „Siegfried“ bei den Bayreuther Festspielen am meisten bejubelt, und das völlig zurecht. Damit ist er definitiv am Höhepunkt seiner Karriere angekommen.

Bayreuther Festspiele/Enrico Nawrath

Aber auch die anderen Sänger des dritten „Ring“-Abends (und zweiten Teils der Tetralogie von Richard Wagner) agierten großteils auf hohem Niveau. Arnold Bezuyen als schriller, skurriler und sehr markanter Mime; Tomasz Konieczny (nach seinem Bühnenunfall in der „Walküre“ wieder auf der Bühne) als äußerst präsenter Wotan mit schöner Tiefe; Olafur Sigurdarson als ausdrucksstarker Alberich; Okka von der Damerau als Erda mit prachtvollen tiefen Tönen; Daniela Köhler als Brünnhilde, die wesentlich weniger schrill ist als jene in der „Walküre“; Alexandra Steiner als lyrischer Waldvogel; und Wilhelm Schwinghammer als seniler Fafner, der diesmal kein Riesenwurm, sondern ein kranker, alter Mann ist, der an Herzinfarkt stirbt, nachdem ihm Siegfried den Rollator weggenommen hat.

Das Dirigat von Cornelius Meister bleibt der schwächste Punkt, auch wenn es schöne Momente gibt. Es klingt jedoch zu wenig, die Differenzierung könnte wesentlich besser sein, ein musikalisch emotionaler „Ring“ ist das bisher definitiv nicht.

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Die Lesart von Regisseur Valentin Schwarz jedoch wird immer klarer. Er entwickelt Vieles aus der Idee, dass Wotan und Alberich Zwillingsbrüder sind. Der Walkürenritt in der Beautyklinik klärt sich insofern auf, als Brünnhilde die Zeit des Wartens auf Siegfried dafür nützte, um Schönheits-OPs zu absolvieren und fesch für den zu erwartenden jungen Lover zu sein. Das zu Beginn entführte Kind, also das Gold, ist tatsächlich bei Fafner aufgewachsen und ersticht im zweiten Aufzug den ebenfalls verhassten Mime.

Dieser wiederum hat Siegfried wie ein Zauberer aufgezogen – in der Illusion, er sei von anderen (Puppen) umgeben. Siegfried neigt heftig zu Alkohol, der erste Akt ist wie eine Geburtstagsparty im Hause Sackbauer. Slapstick-artig und sehr lustig. Sein Frauenbild lernt Siegfried durch Bilder nackter Pin-ups in Billig-Heftln.

Kein Drache, kein Bär, kein Brünnhilden-Felsen, keine Erweckung – die Buhs im Festspielhaus werden lauter. Dabei ist das psychologisch, interpretatorisch und auch bezüglich der Personenführung bisher eine exzellente Arbeit, gegen alle (Seh-)Gewohnheiten und Klischees.

 

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Source:: Kurier.at – Kultur

      

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