„Siegfried“ in Klagenfurt: Kampf im roten Drachenmaul

Kultur

Richard Wagners „Siegfried“ am Stadttheater Klagenfurt in der Inszenierung von Intendant Aron Stiehl (Von Helmut Christian Mayer).

Es ist schon ein sehr ambitioniertes Unterfangen des Klagenfurter Stadttheaters, nach Richard Wagners „Die Walküre“ jetzt auch „Siegfried“, den zweiten Teil des „Ring des Nibelungen“ als Eröffnungspremiere auf die Bühne zu stellen, denn neben einem großbesetzten Orchester braucht es auch hochdramatische Sänger. Allerdings hat der Bayreuther Meister auch auf kleinere Theater Rücksicht genommen und dafür eine reduzierte Orchesterfassung geschaffen. Aber das Ergebnis kann sich mehr als sehen lassen.

Dafür sorgt einmal mehr Aron Stiehl. Denn der Intendant des Stadttheaters lässt auch den zweiten Teil der Tetralogie ungemein verständlich, detailreich und klug ablaufen, ohne dass bei einigen Szenen auch der Humor zu kurz kommt. Er vermeidet irgendwelche politischen oder aktualisierten Interpretationen und stellt bei seiner Personenführung die Emotionen und Beziehungen der Protagonisten in den Mittelpunkt.

Allerdings wirkt die Bühne im ersten Akt mit allerlei Unrat ziemlich hässlich zugemüllt, auch die demolierte Gondel aus der „Walküre“ ist wieder da. Die scheint das „Wohnzimmer“ von Mime und Siegfried zu sein.

Spektakulär

Im zweiten Akt sieht man einen Wald, der Kampf mit Fafner findet mit Spiegeleffekten spektakulär in einem riesigen Drachenmaul statt. Der letzte Akt spielt vor einer sich drehenden Eisenskulptur, es könnte eine demolierte Bergstation der Gondel sein (Ausstattung: Okarina Peter und Timo Dentler).

Dafür sorgen auch wieder Nicholas Milton und das Kärntner Sinfonieorchester, das mit vielen dynamischen Nuancen sowie (manchmal fast zu) großer Sängerfreundlichkeit musiziert. Diese danken ihm dies mit großer Hörbarkeit und Textverständlichkeit.

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In der Rolle des Mime brilliert sowohl szenisch wie auch sängerisch ein fulminanter Thomas Ebenstein, seit 11 Jahren Ensemblemitglied der Wiener Staatsoper. Den Wanderer singt Markus Marquardt nobel und mit großer göttlicher Präsenz. Alberich wird von Stefan Heidemann mit großer Stimmeskraft gesungen.

Tilmann Unger als Siegfried verfügt zwar über einen nicht allzu großen Tenor. Er hat jedoch für diese mörderisch schwere Partie auch für das lange Finale des letzten Aktes immer noch die notwendigen Kraftreserven. Rafal Pawnuk ist ein Fafner mit dunklem Bass, Aytaj Shiklalizada eine passable Erda, Ava Dodd ist ein glasklarer Waldvogel. Yanhua Liu als Brünnhilde singt wenig verständlich, verfügt über eine Riesenstimme, ist aber zu wenig differenziert und singt überwiegend im Forte. Stehende Ovationen!

Der „Ring“ wird 2023 mit „Götterdämmerung“ fortgesetzt.

 

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Source:: Kurier.at – Kultur

      

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