Sofi Oksanens Thriller über das Geschäft mit Eizellen

Kultur

Im Osten die Korrupten, im Westen die Gierigen: „Hundepark“ pendelt zwischen der Ukraine und Finnland

Das ist ganz etwas anderes. In „Hundepark“ fehlt das Überzeichnen à la Tarantino (den die Finnin Sofi Oksanen, Foto oben, mag). Das ist angenehm. Sofern beim Thema etwas angenehm sein kann.

Alles wird vermarktet.

Wünscht ein Japaner einen europäischen Sohn: Bote bringt Samen zu Frau in Georgien. Nachricht folgt, wenn Baby da ist.

Wünscht Europäer ein asiatisches Mädchen: Vietnam gilt in diesem Fall als Weltmarktführer.

In „Die Sache mit Norma“, dem vorangegangenen Buch, hat Sofi Oksanen die Ausbeutung von Frauen an den Haaren aufgehängt. Auch Haare sind Geld. Die Symbolik nervte in diesem Buch – indem man einer Frau das Haar abschneidet, gerät sie in Gewalt desjenigen, der in den Besitz der Haare gelangt. Naja.

„Hundepark“ ist ein Psychothriller. Man erfährt zizerlweise, was los ist. Die Spannung brennt langsam, aber meist beständig. Wer’s braucht: Es gibt einen Mord, es gibt eine Urne (und Borschtsch im Kühlschrank).

2016 sitzt eine Frau aus der Ukraine in Helsinki des Öfteren im Park vor einer Hundezone. Olenka heißt sie, aber sie lebt hier als Putzfrau mit falscher Identität. Olenka hatte flüchten müssen.

Biologisch gesehen

Sie wartet auf eine Familie mit Hund und zwei Kindern. Ein Kind ist nämlich von ihr, biologisch gesehen. Sie will es bloß heimlich betrachten. Sie will sich quälen: Alles hätte schön sein können …

Da taucht im Park eine andere Frau aus der Ukraine auf, Daria. Das andere Kind ist nämlich von ihr, biologisch gesehen.

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Wechsel zurück ins Jahr 2007 in Dnipro: Olenka und Daria arbeiten für eine Agentur, die Eizellen vermittelt. Olenka steigt in Machtposition auf, Daria ist die beste … Spenderin. Gefährlich sind diese Operationen, aber die Chance auf ein besseres Leben ist größer als: Man schreit gegen bissl Geld bei Demonstrationen, ohne zu wissen, worum es geht.

Eizellen und Leihmütter: In der Ukraine wird noch immer großes Geschäft damit gemacht. Geleich nach der Unabhängigkeit war es mafiöser. Sofi Oksanen bringt Armut und Korruption im Osten mit Reichtum und Gier im Westen zusammen.

Sie analysiert. Sie überlädt nicht (wie in „Norma“). Man hält den Atem an, weniger wegen des Thrillers, eher wegen unserer Welt.

Sofi Oksanen:
„Hundepark“
Übersetzt von Angela Plöger.
Kiepenheuer & Witsch Verlag.
480 Seiten.
23,95 Euro

KURIER-Wertung: ****

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Source:: Kurier.at – Kultur

      

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